Predigten

Wie oft haben Sie schon beim Hören einer Predigt gedacht: "Das war ein guter Gedanke. Schade, dass ich nichts zum Schreiben dabei habe." Dem Wunsch, das gesprochene Wort zu Hause noch einmal in Ruhe nachlesen zu können, entsprechen wir auf dieser Homepage. Ausgewählte Predigten, die im Kirchenkreis Rotenburg gehalten wurden, werden auf diesen Seiten veröffentlicht.

Schauen Sie hinein, lassen Sie sich inspirieren und scheuen Sie sich nicht, zum Verfasser der Predigt Kontakt aufzunehmen, falls Sie noch Fragen oder Anregungen haben.

Natürlich sind Sie immer und jederzeit herzlich eingeladen, einen der vielen Gottesdesdienste in unserem Kirchenkreis persönlich zu besuchen. Ob Familiengottesdienste, musikalische Gottesdienste, Gottesdienste in anderer Form - die Möglichkeiten sind vielfältig, die Auswahl ist groß. Um Ihnen bei der Auswahl zu helfen, haben wir unter dem Menüpunkt "Veranstaltungen" einen Suchfilter eingebaut.

Datum
Titel
Name
So. 15.05.16
Pfingsten- Gottes Geist begeistert
Haike Gleede
Pfingsten- Gottes Geist begeistert

Kennen Sie die Sendung mit der Maus? Neulich sah ich eine Umfrage zum Thema Pfingsten. Kinder befragten in einer Fußgängerzone die Passanten: Wissen Sie, warum wir Pfingsten feiern? Wissen Sie, was Pfingsten bedeutet. Das Ergebnis war erschreckend. große Ratlosigkeit. Kaum einer wusste, was Pfingsten bedeutet und warum wir es feiern. Untersuchungen haben ergeben, dass nur knapp die Hälfte aller Deutschen wissen, was an Pfingsten gefeiert wird.

Woran liegt das? Am schönen Wetter, das  die Menschen davon abhält einen Gottesdienst zu besuchen? Oder daran, dass es zu Pfingsten kaum eine Tradition gibt? Oder ist der Heilige Geist einfach so schwer zu greifen, dass wir mit ihm nichts anfangen können?

Weihnachten schmücken wir den Tannenbaum, bereiten ein festliches Essen vor. Kerzen und weihnachtlicher Schmuck zieren das Haus. Wir feiern die Geburt Jesu – darunter können wir uns etwas vorstellen.

Ostern färben wir Ostereier und verstecken sie im Garten. Auch das Osterfeuer stimmt uns auf das Fest ein. Jesus ist auferstanden, nachdem er am Kreuz gestorben ist. Der Tod gehört zu unserem Leben und wir wissen, was es bedeutet Abschied zu nehmen. Aber wir glauben an das ewige Leben bei Gott. Das ist unsere Hoffnung und unser Trost . Auch das ist nachvollziehbar.

Aber Pfingsten – was verbinden wir damit? Welche Traditionen pflegen wir?

Wir kennen das Pfingstbaumpflanzen.

Die Pfingstbäume sind frisch geschlagene junge Birken, die vor Haustüren befestigt werden. Dies geschieht regional unterschiedlich.  Der Pfingstbaum geht auf die Germanen zurück, die im Frühjahr junge Birken vor die Haustür gestellt haben sollen, um damit böse Geister zu vertreiben. In vergangener Zeit sollen junge unverheiratete Männer den Brauch des Pfingstbaumpflanzens gepflegt haben, um sich den ebenfalls noch unverheirateten Jungfrauen vorzustellen. Dazu gingen sie von Haus zu Haus und platzierten vor den Türen von Familien mit ledigen Töchtern eine junge Birke. Aber was hat das mit Pfingsten zu tun?

 

Auch Bräuche wie der Pfingstochse, das Pfingstfeuer oder Pfingstwasser aus einem Bach zu holen – sind uns doch eher fremd und sind meist heidnischen Ursprungs.

Aber was hat es denn nun wirklich mit diesem Fest auf sich?

Darüber erfahren wir etwas in der Apostelgeschichte. 40 Tage nach Ostern war Jesus in den Himmel aufgefahren. Er versprach seinen Jüngern, dass sie die Kraft des Heiligen Geistes empfangen würden. Bis dahin blieben die Jünger und Jüngerinnen einmütig zusammen. Sie versammelten sich im Obergemach eines Hauses.

Sie warten darauf, dass bald etwas Bewegendes geschieht.

Ihre Geduld und ihr Vertrauen wurden nicht enttäuscht. Nach 10 Tagen, also 50 Tage nach Ostern geschah es: Apg 2

„Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder.

Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.“

50 Tage nach Ostern wird bis heute Pfingsten gefeiert. Die Griechische Bezeichnung pentekosté– bedeutet der 50. (Tag). Es ist der feierliche Abschluss des Osterfestes und der Geburtstag der Kirche. Der erste christliche Gottesdienst wurde an diesem Tag unter freiem Himmel gefeiert und begeisterte tausende Menschen unterschiedlichster Herkunft. 3000 Menschen ließen sich taufen und bekannten sich damit zu Jesus Christus. Seine Botschaft geht von da an um die Welt.

Es ist nicht einfach zu beschreiben, was damals geschah und wie der Geist wirkte.

Die Bibel berichtet von einem gewaltigen Sturm.

Der Wind ist ein Bild für den belebenden Geist und ein kraftvolles Symbol für die Veränderung.

Von Feuerzungen ist die Rede. Das Feuer steht für Reinigung und Erneuerung, und symbolisiert Leidenschaft und göttliche Kraft. Der Geist Gottes bricht gewaltig und unübersehbar auf sie herein. Kraftvoll und beinahe beängstigend. Aber die Jünger fürchten sich nicht, denn sie waren ja vorbereitet. Darum laufen sie nicht in blinder Panik aus dem Haus, sondern gingen ganz gezielt nach draußen. Alle Zweifel werden verweht, alle Ängste ausgelöscht und ihnen ist auf einmal klar, was zu tun ist. Eine ungeheure Energie erfüllt sie und sie wissen, das kann nur Gott sein. Offenbarte er sich nicht schon Mose im brennenden Dornbusch?

Was sie zuvor niemals gewagt hätten, das tun sie jetzt: Sie gehen auf die Straße und predigen den Menschen vom Reich Gottes und von seiner brennenden Liebe. Sie erzählen von ihren Erfahrungen mit Jesus und von seinen Verheißungen. Der Funke springt über. Die Menschen, die eigentlich zum Laubhüttenfest nach Jerusalem gekommen sind, werden hellhörig. Ein paar Skeptiker spotten noch: Die sind wohl betrunken. Aber auch die verstummen bald. Denn auch sie hören die Apostel in verschiedenen Sprachen predigen.

Jeder, der mal versucht hat, eine Fremdsprache zu erlernen, weiß wie mühsam das ist. Wenn wir im Urlaub ins Ausland fahren, sind wir froh, wenn es Menschen gibt, die unsere Sprache sprechen. Schnell merken wir, welch eine Barriere das ist, wenn man sich nicht verständigen kann.

Aber es gibt eine Sprache, die alle Menschen auf der ganzen Welt verstehen können: Ein Lächeln, eine freundliche Geste, die Hand, die ein Glas Wasser reicht oder ein Stück Brot – das sind klare Zeichen. Das haben wir erlebt, als die Flüchtlinge in unser Land strömten. Viele Menschen haben sich eingesetzt, haben ihnen geholfen und so das Überleben der Fremden gesichert. Sicher gab und gibt es auch Kritiker und solche die spotten. Hoffen wir, dass auch die bald verstummen. Der nächste Schritt wird sein, den diese Fremden zu Nachbarn werden zu lassen, sie in unsere Gesellschaft zu integrieren und ihnen eine Perspektive zu geben.

Die Pfingstgeschichte erzählt davon, wie Menschen durch den Heiligen Geist eine Sprache finden. Jeder hört seine vertraute Muttersprache. Alle fühlten sich angesprochen.

Gott richtet sein Friedensreich auf unter den Menschen.

Der Heilige Geist kann nur da einkehren, wo man ihn einlässt und wo man auf ihn vorbereitet ist. Ich glaube, dass viele Menschen nicht die Geduld haben, auf ihn zu warten. Viele andere Geister dringen in unser Leben ein.

Jesus wurde oft gerufen, um Geister auszutreiben. Auch in unserer Zeit werden immer noch viele Menschen von unguten Geistern beherrscht. Ich denke da an den Geist der Habgier und des Neides, an den Geist der Machtbesessenheit und des Egoismus, und sicher auch den Geist der Angst und der Missgunst.

Der Heilige Geist sucht offene Menschen, die mutig sind, sein Werk zu vollenden. Menschen, die sich leiten lassen von Liebe und Vertrauen, von Sanftmut und Gerechtigkeit. Nur so können die Ketten der Angst gesprengt werden und die Hürden des Nichtverstehens überwunden werden.

Der Heilige Geist lehrt uns die Sprache der Liebe, die auch ohne Worte versteht.

Er ist der Wind, der uns antreibt und das Feuer, das in uns brennt.

Wenn wir uns von ihm ergreifen und erfüllen lassen, sind wir dem Reich Gottes schon ein Stück nähergekommen.

Lothar Zenetti hat ein Gedicht geschrieben über Pfingsten, ein Pfingstlied:

Ich möchte mich ihm anschließen und den Heiligen Geist bitten:


Komme, geheimnisvoller Atem,

leise zärtlicher Wind,

hauche uns an, damit wir leben,

ohne dich sind wir tot!

 

Komme, in Feuer und Flammen,

zünd uns an wie ein Licht,

mache uns trunken von der Liebe,

wir sind starr, tau uns auf!

Komme, Erfinder neuer Sprachen,

gieß dich aus über uns,

rede in uns mit neuen Zungen,

komm, begeistere uns!

 

Komme, du Hoffnung aller Armen,

schaffe den Wehrlosen recht,

dass die gebeugten sich erheben,

dass sich die Völker befrein!

 

Komme, du Tröster aller Müden,

Stille mitten im Lärm,

schaff uns Pausen,

lass uns ausruhn in dir!

 

Komme, du Taube übers Wasser,

bring den Ölzweig herbei,

bring uns das Zeichen für den Frieden,

den die Erde ersehnt!

 

Komme, vom Vater und vom Sohne,

komme du schaffende Kraft,

Mache uns neu, und unsere Erde hat ein neues Gesicht!

Amen.

 

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Do. 23.07.15
Der Rote Faden im meinem Leben, Bürgerkanzel…
Bürgerkanzel
Der Rote Faden im meinem Leben, Bürgerkanzel der Stadtkirchengemeinde am 7. Juni, Andreas Weber

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Liebe Gäste dieses Gottesdienstes in unserer Stadtkirche,

vor knapp einem halben Jahr wurde ich durch Pastorin Krüger gefragt, ob ich auch einmal eine Bürgerkanzelpredigt halten wolle und habe sofort gerne zugesagt. Ich freue mich, dass zu diesem Gottesdienst so viele gekommen sind.

So stehe ich jetzt hier und möchte Ihnen etwas über den „Roten Faden in meinem Leben“ berichten.

Viele werden sich jetzt fragen: Welchen Roten Faden meint er denn und was soll das bedeuten? Das möchte ich Ihnen gerne erklären.

Ich habe Ihnen hier ein 2m langes Stück Seil mitgebracht. Es ist sehr flexibel, sehr reißfest, lässt sich gut knoten, liegt gut in der Hand und kann als Gebrauchsgegenstand viele Dinge miteinander verbinden und hat damit eine wichtige Funktion. Man muss sich auf dieses Seil verlassen können, dass es vor allem hält. Bei Bergsteigern und im Rettungsdienst hängt häufig sogar das eigene Leben von der Reißfestigkeit eines solchen Seiles ab.

Woraus besteht nun dieses Seil, dass es solche eine Kraft und verbindende Funktion hat? Es besteht zunächst aus vielen einzelnen Fasern, die dann zu 8 Faserbündeln zusammengelegt und schließlich wiederum miteinander verflochten sind, die ihm insgesamt die Stabilität und Reißfestigkeit geben.

Durchsetzt ist dieses Stück Seil aber mit einem roten Faden, der immer wieder aus dem Geflecht herausragt, dann wiederum im Verborgenen bleibt, dem Seil insgesamt auch seine Festigkeit gibt … Wenn er fehlen würde, würden alle anderen Fäden instabiler werden, etwas weniger Halt haben und auch nicht solch eine hohe Reißfestigkeit haben. Weiterhin gibt der rote Faden dem Seil neben der Stabilität auch ein schöneres Aussehen, sonst wäre das Seil doch schon ganz schön langweilig. Außerdem gibt er auch die Richtung der Verflechtungen an, für alle Fäden insgesamt in diesem Seil.

 

Was hat dieses Bild - dieses Seil - aber mit meinem Leben zu tun?

Auch mein Leben besteht aus vielen einzelnen Fäden, in meiner Jugend, Erziehung, viele Erfahrungen mir mitgegeben von meinen Eltern, den Freunden, dem Leben im Sportverein – ob beim Fußball-, Basket- oder Handball, in der evangelischen Jugend, in der Schule, im Beruf, in der Familie, mit den Kindern und schließlich mit den Enkelkindern. Alles einzelne Fäden, die miteinander verbunden und durch die unterschiedlichsten Verflechtungen ihre Flexibilität und Belastungsfähigkeit erhalten. Durchsetzt mit einem roten Faden, der in meinem Leben nicht durchgängig da ist, sondern immer wieder auftaucht in meinem Leben, den einzelnen Fäden Halt gibt und auch- wenn er offensichtlich einmal nicht zu erkennen ist, trotzdem vorhanden ist.

Dieser rote Faden in meinem Leben ist der christliche Glaube, der sich bei mir am ehesten an dem Bibelspruch, 1. Korinther, Kap. 13, Vers 13 festmacht. „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; am größten aber unter diesen ist die Liebe!“

Diese drei Elemente des christlichen Glaubens haben mein Leben immer wieder geprägt, geprägt vor allem auch hier in der Stadtkirche. Hier bin ich getauft worden, hier habe ich als Jugendlicher mit dem damaligen Pastor Michael-Peter Stegen schon gemeinsam meine Konfirmation gefeiert, habe Kindergottesdienste selbst mit vorbereitet und gehalten, habe Familiengottesdienste gestaltet, in der evangelischen Jugend meine große Liebe und jetzt seit 36 Jahren Ehefrau Claudia kennengelernt, mit der ich schließlich hier kirchlich getraut wurde. Der damalige Trauspruch wurde uns von Michael-Peter Stegen empfohlen - raten Sie einmal welcher es war: 1. Korinther, Kap. 13, Vers 4-7: Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht auf, sie stellt sind nicht ungebärdig, sie suchet nicht das ihre, sie lässt sich nicht erschüttern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeiten, sie freuet sich aber der Wahrheit. Sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.

Auch alle unsere drei Kinder wurden hier in der Stadtkirche getauft und schließlich hier konfirmiert. Eine anschauliche Verbindung über dieses ehrwürdige Gotteshaus zu der Stadtkirchengemeinde und dem christlichen Glauben, besser lässt es sich kaum verdeutlichen.

Doch bin ich selbst eigentlich kein so entschieden glaubender Mensch, sondern immer wieder zaudernd, bei so vielen menschlichen Katastrophen, die ich auch in meinem 38jährigen Berufsleben bei der Polizei in Bremen habe erleben müssen. Wo ich mich immer wieder gefragt habe: Warum lässt Gott, wenn es ihn gibt, so etwas zu? Warum können die Menschen nicht vor so viel Verzweiflung, tragischen Verlusten, Streit untereinander, den vielen körperlichen und seelischen Verletzungen, die sie sich gegenseitig beibringen, nicht bewahrt werden. Eine Antwort darauf fällt uns allen wohl sehr schwer.

Andererseits gibt es auch viele andere Dinge, die mich immer wieder in meinem brüchigen Glauben bestärkt haben. Dass ich in unserem Gemeindehaus meine liebe Frau kennenlernen durfte, dass wir drei tolle Kinder haben bekommen dürfen. Das Wunder zu erfahren, wenn zwei Zellen mit ihren Erbinformationen zusammenkommen, daraus durch die abermillionenfache Zellteilung ein menschlicher Organismus entsteht, der in seiner Kompliziertheit kaum zu überbieten ist, Millionen von Funktionen darin enthalten sind, die aufeinander abgestimmt sind, um gemeinsam funktionieren zu können, Bewegungen zu erzeugen, zu wachsen, Intelligenz entwickelt, lernen kann, Beziehungen pflegen kann, Emotionen produzieren kann und sich schließlich sogar fortpflanzen kann, dass die Menschheit durch Kinder und Kindeskinder weiter leben kann. Wehe, wenn nur die kleinste Funktion ausfällt, ein Defekt vorhanden ist, schon bricht dieses so wunderhafte aber auch instabile Konstrukt zusammen.

Ist es möglich, dass dieses alles so funktioniert, ohne dass es einen Gott gibt, ohne dass es einen gibt, der schützend die Hand über uns hält, uns vor gefährliche Aktionen bewahrt, der uns leitet und uns zu einem Guten führt, der uns einen roten Faden für unser Leben liefert?

In unserem Gott, unserem Herrn und seinem Sohn Jesus Christus habe ich diese Orientierung für mein Leben gefunden, die mich anhält und auffordert, mich für mehr Gerechtigkeit, der Förderung des Miteinanders, für Familien, dem Schutz von benachteiligten Menschen, für die Integration von Fremden und vielen weiteren erstrebenswerten Zielen einzusetzen.

Immer wieder gab es sogenannte „Zufälle“ in meinem Leben, die mich in meinem zögerlichen Glauben bestärkten, wieder an Gott zu glauben, wovon ich Ihnen gerne berichten möchte:

denn genau - wie vielleicht auch bei Ihnen - gab es in meinem Leben entscheidende Weichenstellungen, die Veränderungen zur Folge hatten, ohne die es eine so positive Entwicklung in meinem Leben nicht gegeben hätte.

Häufig waren es sogar Krisen, aus denen die Chance auf eine Veränderung entstanden:

Von den vielen Beispielen möchte ich Ihnen in drei exemplarischen Fällen in aller Kürze berichten:

Erstens: War es ein Zufall, dass ich meine Frau damals in der evangelischen Jugend traf, die zufällig bei der Silvesterfeier auftauchte, gerade durch einen Freund angesprochen worden war, erstmalig auch daran teilzunehmen, sonst aber niemals Zugang zu uns gefunden hatte? Sie hat schließlich das Lebensglück für mich mitgebracht, gemeinsam glücklich leben zu können, gemeinsam Ziele zu verwirklichen, eine Familie zu gründen und aufzubauen, mir Stabilität zu geben und in Momenten der Not zu helfen, sich ansonsten immer mit mir einfach nur gemeinsam zu freuen.

Zweitens: War es Zufall, dass meine Frau und ich vor über 6 Jahren gemeinsam als Fußgänger auf der Ärztehauskreuzung von einem Pkw angefahren wurden, schwerverletzt – ich mit kaputtem Knie und meine Frau mit 3 Halswirbelbrüchen – nur wenige Meter voneinander auf dem Asphalt liegen bleiben mussten, beide ins Rotenburger Krankenhaus eingeliefert wurden, dort eine unheimlich herzliche und erfolgreiche Behandlung durch Prof. Schulte und Prof. Kolenda erhielten, dass wir weitestgehend wieder hergestellt wurden, als wenn nichts passiert gewesen wäre. War es dabei ein Zufall, dass mein Polizeipastor Peter Walther meine Anordnung , dass uns in den ersten Tagen niemand besuchen solle, nicht befolgte, sondern wie er sagte: er nur einen Chef habe, auf den er hören müsse, das sei der liebe Gott und der sage ihm, dass er uns besuchen solle, uns gemeinsam mit Pastor i.R. Hans Willenbrock und den damaligen Krankenhausseelsorger Martin Gerner-Beuerle sowie Rolf Hirte eine solche seelisch unterstützende Begleitung mit Andachten und gemeinsamen Gebeten gab, dass wir uns wieder vollkommen erholen konnten und zumindest seelisch kein Schaden zurückgeblieben ist, wir vielmehr den Eindruck gewonnen haben, dass wir dadurch psychisch stärker geworden sind.

Ist es dann auch in der Folge ein Zufall, dass wir aus unserem Gefühl der Dankbarkeit gegenüber unserem Beschützer noch an Krücken laufend und Halskrause tragend hier in die Stadtkirche kamen und Pastor Michael Alex gerade über den ungläubigen Thomas predigte und uns von dieser Kanzel herab dann persönlich begrüßte, dass auch zwei Menschen wieder unter ihnen seien, die gerade die Erfahrung gemacht hätten, dass es einen großen Schutzengel gibt, und uns aus dem Johannesevangelium mit auf den Weg gab:

Kapitel 20/ Vers 29) „Und Jesus sprach zu Thomas: „Weil du mich gesehen hast, hast Du geglaubt. Selig sind die, welche nicht sehen und doch geglaubt haben.“ Und Pastor Alex ergänzte sinngemäß: Seien Sie wieder herzlich willkommen in unserer Gemeinde!

Wir hatten Tränen in den Augen, so gerührt waren wir gewesen.

War es drittens und schließlich später ein Zufall, dass vor ca. 4 Jahren um diese Zeit herum kurz nach dem Tod meines Vaters, also in einem Moment, wo man sich als Sohn ohnehin auch viele ernsthafte und dankbare Gedanken um die erlebte Vergangenheit und um die persönliche Zukunft macht, dass unser Freund und Stadtratsabgeordnete Gilberto Gori mich bei Sonnenschein auf dem Rotenburger Wochenmarkt vor dem Rathaus ansprach, ob ich nicht einmal für die Kommunalwahl für den Stadtrat kandidieren wolle. Ich sagte spontan zu und wurde mit nicht geahnten vielen Stimmen gleich direkt in den Stadtrat gewählt.

Viele Zweifel hegten sich anschließend, ob das alles richtig war, neben der aufreibenden Leitung des Landeskriminalamtes in Bremen, mich so sehr in Rotenburg in die Politik einbinden zu lassen, gerade als es auch von Monat zu Monat immer mehr in Gedanken in Richtung einer Bürgermeister-Kandidatur ging. Da habe ich immer wieder auch den Weg hier in die Stadtkirche gesucht, um vielleicht doch einen guten Rat oder Hinweis zu bekommen.

Als eines Tages durch den damaligen Superintendenten Hans-Peter Daub das Pastoren-Ehepaar Heide und Uwe Keilhack verabschiedet wurden, er damals davon sprach, dass man einfach den Mut fassen müsse, einmal etwas völlig Neues machen zu müssen, zu dem man sich berufen fühle, - in meinen Gedanken: so wie es die Jünger von Jesus damals auch getan hätten - dann lägen darin für den betroffenen Menschen große Chancen, sein Leben vollkommener zu gestalten, auch wenn es für ihn immer ein etwas größeres Risiko gäbe, als wenn man diesen Veränderungsschritt nicht ginge.

Ich war mir anschließend sicherer, dass der Weg für mich und meine Frau der richtige sei, auch wenn er viel Ungewisses mit sich bringen würde. Ich wusste, dass wir nicht alleine gehen müssten, sondern auch mit Gottes Hilfe und Begleitung gehen werden. Immer wieder, wenn ich in wichtigen Situationen, an sogenannten Weichenstellen stand, konnte ich mich zurückfallen lassen, mich besinnen auf meinen Glauben an Jesus Christus, von ihm und seinem Vorbild lernen, bekam Hilfestellungen und Ratschläge, die mich in meiner Entscheidungsfindung für mein persönliches Leben als segensreich empfinden konnte.

Für eine gewisse Zeit waren meine Zweifel an der Existenz Gottes wieder etwas weniger groß.

„Glaube, Hoffnung und Liebe sind die drei, am größten aber unter diesen ist die Liebe.“

Diese drei Glaubenssäulen sind der rote Faden durch mein Leben, ein roter Faden, der mir Hilfe, Stabilität, Orientierung und vor allem Sicherheit gegeben hat.

Geradezu, wie in diesem Stück Seil - der rote Faden gibt dem Seil und all seinen Fäden Struktur, Stabilität und damit eine größere Reißfestigkeit und Belastbarkeit gibt, ja insgesamt dem Seil auch etwas mehr an Schönheit, an Ästhetik.

Und Jesus sprach zu Thomas: Weil Du mich gesehen hast, hast Du geglaubt. Selig sind diejenigen, welche nicht sehen und doch geglaubt haben!

Für Sie alle habe ich zur Erinnerung an den Roten Faden in meinem Leben ein Stück von diesem Seil mitgebracht und möchte Ihnen am Ende dieses Gottesdienst am Ausgang der Stadtkirche solch ein Stück von meinem Roten Faden mitgeben, vielleicht haben auch Sie solch einen roten Faden in Ihrem Leben gefunden oder finden ihn noch, der Ihnen Halt, Sicherheit und Orientierung gibt. Gegebenenfalls haben Sie auch noch Zeit, sich mit mir und Frau Superintendentin Briese nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee gemeinsam zu unterhalten.

Ich freue mich darauf und lade Sie dazu gerne ein.

 

Andreas Weber,

Bürgermeister der Stadt Rotenburg

 

KONTAKT

Bürgerkanzel

Bürgerkanzel
Mo. 18.05.15
Da berühren sich Himmel und Erde
Yorick Schulz-Wacker…
Da berühren sich Himmel und Erde

Es gibt Dinge im Leben, die sollten gefeiert werden: Es wäre traurig, wenn wir einen Geburtstag nicht zum Anlass nähmen, einem lieben Menschen zu sagen: „wie schön, dass du geboren bist!“ Es wäre schade, wenn wir einen Hochzeitstag verstreichen ließen, ohne uns daran zu erinnern, wie die große Liebe einst begann. Wir brauchen Feiertage, um uns das, was uns wichtig ist, immer wieder vor Augen zu führen. So auch am Feiertag vor zwei Tagen: „Papa, ich hab dich lieb! Du bist der beste Vater der Welt!“ Auch der Vatertag bietet uns einen Anlass, um das, was uns sonst schwer über die Lippen kommt, zum Ausdruck zu bringen – vielleicht mit einer Karte oder mit einem Geschenkgutschein für den Baumarkt. Donnerstag war aber nicht nur Vatertag. Der eigentliche Grund, warum wir am Donnerstag nicht zur Arbeit mussten, ist ein anderer: Himmelfahrt. Aber was wird da eigentlich gefeiert und warum ist uns das so wichtig, dass wir diesen Tag nach wie vor als gesetzlichen Feiertag schützen?

Anlass von Himmelfahrt ist das Ende der Geschichte des Menschen Jesus auf der Erde: „Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel“. So lautet der vorletzte Satz in der Geschichte von Jesus, wie sie der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat. Jesus hatte Menschen erzählt, dass Gott, der die Liebe ist, mitten unter uns Menschen zu finden ist. Er hatte Menschen gezeigt, dass wir zu mehr fähig sind als Neid, Hass und Gewalt. Gott ist es, der uns zur Rücksicht, zum Mitgefühl und zur Hingabe für unseren Mitmenschen befähigt. Aus dieser Botschaft haben Menschen Heilung und Heil erfahren und Kraft und Hoffnung geschöpft. Mit dieser Botschaft passierte „Himmlisches“ mitten in den Dunkelheiten menschlicher Existenz. Jesus war ein Lichtblick, ein Blick in den Himmel. Mit seiner Botschaft der Liebe berührten sich Himmel und Erde. Seine Himmelfahrt veranschaulicht diese Verbindung der „Welten“. Der Feiertag Himmelfahrt ist ein Anlass, mit Dankbarkeit an eben jene Berührungspunkte zwischen Himmel und Erde im Leben zu denken: „wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden, wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, dass Frieden werde unter uns.“ Gut, dass es diesen Feiertag gibt!

 

KONTAKT

Yorick Schulz-Wackerbarth

Yorick
Schulz-Wackerbarth
Vikar in der Kirchengemeinde Fintel
So. 02.11.14
“Ihr seid ein Brief Christi”
Haike Gleede
“Ihr seid ein Brief Christi”

Liebe Gemeinde!

Briefe schreiben ist ein wenig aus der Mode gekommen.

Einen Brief handschriftlich zu schreiben und per Post zu verschicken – das kommt in unserer Zeit nur noch selten vor. Warum die 1 - 2 Tage Postweg abwarten bis so ein Brief angekommen ist? Oder gar mehrere Wochen bis die Antwort eintrifft? Per E-Mail oder Sms werden kurze Texte beinahe in Echtzeit ausgetauscht. Und auf die Antwort muss ich nicht lange warten – meistens jedenfalls.

Paulus lebte vor 2000 Jahren. Damals hatten Briefe eine ganz andere Bedeutung. Er lebte in einer Zeit, in der die meisten Menschen nicht lesen und schreiben lernten. Eine Ausbildung machten nur ausgewählte Leute. Es gab auch keine Post. Und auch keine motorisierten Fahrzeuge. Der Brief wurde also einem Boten anvertraut, der je nach Entfernung mehrere Wochen oder Monate unterwegs war. Wer solch einen Brief schrieb, hatte wirklich etwas Wichtiges mitzuteilen. Wer dann solch einen Brief in der Hand hielt, für den war das etwas Kostbares. Solch ein Brief wurde immer wieder anderen laut vorgelesen, hat darüber gesprochen und diskutiert.

Mit der Gemeinde in Korinth pflegte Paulus einen intensiven Briefwechsel. Er hatte ja fast eineinhalb Jahre dort verbracht, hatte die Gemeinschaft der Christen in der Hafenstadt mit aufgebaut.

Aber nun war er schon länger nicht mehr dort gewesen und schlechte Nachrichten aus Korinth hatten ihn erreicht. Andere Prediger beeindruckten die Leute durch scheinbar wundersame Fähigkeiten und wirre Lehren. Dass die Christen in Korinth sich auf Paulus berufen, das machten die Wunderlehrer lächerlich. Die Gemeindeglieder wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten. Wenn Paulus hier wäre, der könnte in klaren und klugen Worten die Botschaft Jesu verkünden.

Paulus war ein sehr gebildeter Mann. Er hatte die Thora gelesen. Er kannte die 10 Gebote, die Mose empfangen hat. 40 Tage und Nächte hatte er auf dem Berg Sinai verbracht und diese wegweisenden Gebote mitgebracht. Er hat sie eingemeißelt in Steintafeln.

Sein Gesicht hatte geleuchtet.

An den Geboten kann man scheitern, aber deshalb sind sie nicht außer Geltung. Die in Stein gemeißelten Buchstaben allein helfen nicht, wenn wir nicht den ganzen Menschen anschauen.

Jesus hat die Gebote in ein neues Licht gestellt: das Doppelgebot der Liebe.

Gott hat den Menschen seine Gebote gegeben, um ein Zusammenleben in Frieden und gegenseitiger Vergebung zu ermöglichen.

 Natürlich kannte er auch die Propheten. Er hatte auch die Prophezeiung des Propheten Jeremia gehört: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich einen neuen Bund schließen…. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.“

Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth:

„Für alle ist sichtbar: Ihr seid ein Brief von Christus, ausgefertigt und überbracht durch meinen Dienst als Apostel. Dieser Brief ist nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes. Er steht nicht auf Steintafeln, sondern in den Herzen von Menschen.“

 

Gottes Geist zeigt sich in der Liebe, die Gott in unsere Herzen schreibt.

Sie befähigt uns dazu, die Gebote menschlich auszulegen und je nach Situation zu entscheiden. Jeder Mensch trägt diese Fähigkeit in sich.

Der indische Weisheitslehrer Tagore: „Jedes Kind bringt die Botschaft mit auf die Welt, dass Gott sein Vertrauen in die Menschen noch nicht verloren hat.“

Heute haben wir ein Kind getauft, Adrian. Er bringt diese Botschaft Gottes mit. Er ist ein Brief von Jesus Christus.

Wir sagen manchmal, jemand sei ein unbeschriebenes Blatt. Christen sind kein unbeschriebenes Blatt. Christen sind ein Brief Christi. Schon in Adrians Herz hat er seine Liebe eingeschrieben. Und Sie schreiben ihm heute seinen Taufspruch ins Herz: 1. Joh 16: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott.“

Nicht nur die Pastoren oder Meret als Vikarin verkünden Gottes gute Nachricht.

Paulus ermutigt dazu, den Glauben nicht zu verschweigen, sondern darüber zu reden, vor allem auch dann, wenn er in Frage gestellt wird.

Jede/r von uns hier heute ist ein Brief Christi, ein Liebesbrief an alle Menschen.

Manchmal vielleicht auch ein Tränenbrief, wie der zweite Brief des Paulus an die Korinther auch manchmal genannt wird. Ein Tränenbrief auch deshalb, weil wir so oft nicht bereit sind, diesen Brief zu teilen, anderen davon zu erzählen. Wir schämen uns, über unseren Glauben zu sprechen.

Wir legen unseren persönlichen Liebesbrief Gottes in die hinterste Ecke unseres Herzens und vergessen ihn da manchmal. Dabei unterschätzen wir die Kraft, die darin liegt.

Am Freitag war Reformationstag – welch eine Kraft ist von Martin Luther ausgegangen, der seinen Glauben nicht verschweigen konnte. Er hat das, was ihm im Herzen brannte, öffentlich gemacht und damit eine grundlegende Wandlung der Kirche angestoßen.

Niemand erwartet von uns, dass wir gleich die ganze Welt verändern. Aber jeder kann seine Botschaft weitergeben, sei es an seine Kinder und Enkel, sei es in seinem Engagement für Jesus Christus, sei es dass er einfach zu seinem Glauben steht.

Das Gesicht des Mose leuchtete, als er die 10 Gebote überbrachte.

Gott lässt sein Angesicht über uns leuchten in jedem Gottesdienst, bei jedem Segen, den wir empfangen. Er gibt unserem Glauben Worte und unserem Leben Selbstbewusstsein.

Das ist uns schon in die Wiege gelegt oder besser ins Herz geschrieben.

 

„Für alle ist sichtbar: Ihr seid ein Brief von Christus… Dieser Brief ist nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes. Er steht nicht auf Steintafeln, sondern in den Herzen von Menschen.“ In unseren Herzen!

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 26.10.14
Welche Farbe hat deine Seele?
Haike Gleede
Welche Farbe hat deine Seele?

Liebe Gemeinde!

Sind Sie vernetzt? Nutzen Sie die modernen Medien, um immer auf dem Laufenden zu sein? Für viele Menschen ist es heutzutage selbstverständlich. Ein Leben ohne Facebook, Twitter, whats app – nicht denkbar.

Wenn wir unsere Konfis fragen, gäbe es wohl kaum jemanden ohne Handy, Smartphone, ohne Anschluss an irgendeiner Internetplattform.

Silbernen Konfirmanden fragen:

Goldene Konfirmanden fragen

Ohne Internet läuft nichts mehr in dieser Welt und im world wide web sind wir alle irgendwie miteinander verbunden.

Für die einen ist ein Leben ohne diese Medien undenkbar, andere sehen diese Entwicklung eher kritisch. Rückgängig machen können wir sie nicht, wir leben im multimedialen Zeitalter.

Ich gestehe, ich gehöre eher zu den altmodischen Menschen. Ich habe kein Facebook account und kann keine zig Facebook-Freundschaften vorweisen und ich tausche mich nicht im Chat mit meinem Freunden aus. Ich treffe mich lieber persönlich mit Freunden und sehe meinem Gegenüber in die Augen, genieße die Gesellschaft.

Aber ich bin trotzdem vernetzt und zwar in dem wohl ältesten Netzwerk, dass es auf dieser Erde gibt. Paulus hat dafür schon in seinen Gemeinden geworben:

„Der Frieden, der von Gott kommt, soll euch alle miteinander verbinden!“

Jesus hat dieses Netzwerk ins Leben gerufen. Als ich getauft wurde, haben meine Eltern mir ein account eingerichtet, eine Plattform geschaffen. Die Taufe ist der Klick, der die Beziehung herstellt zu Gott und es ermöglicht mit ihm Kontakt aufzunehmen. Bei der Konfirmation haben wir unsere Zugehörigkeit bestätigt. Seitdem surfen wir eigenständig in diesem Netz. Unser Medium ist der Heilige Geist. Unsere Verbindung untereinander und mit Gott geschieht nicht über Kabel oder elektronische Impulse, oder durch Satellitenübertragung. Unsere Verbindung geschieht durch die Liebe Gottes. Sie „wirkt durch alle und in allen“. Der Anbieter ist Gott selbst, der Chat ist die Gemeinde derer, die sich in seinem Namen versammeln. Wenn Sie heute hier silbernen, goldene oder gar diamantene Konfirmation feiern, dann bedeutet das: Sie erneuern diese Verbindung und bestätigen Ihre Zugehörigkeit. Mir ist das wichtig, weil ich damit eine Entscheidung treffe. Ich entscheide, was mein Leben bestimmt und welchen Gedanken ich Raum gebe.

Natürlich ziehen auch mal Schatten auf, die mein Leben dunkel und grau erscheinen lassen. Um so wichtiger ist, möglichst viel Licht und Farbe zu speichern.

Der antike Philosoph Marc Aurel hat einen Satz geprägt:

"Auf die Dauer der Zeit, nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an."

In welcher Farbe möchte ich meine Seele kleiden, wie soll sie leuchten?

Wie bekommt sie Strahlkraft?

Meine Gedanken, meine Erinnerungen und meine Haltung prägen mein tiefstes Innerstes, färben meine Seele.

Sind es dunkle, schwere Gedanken, dann wird es finster in meiner Seele. Sind es gute, liebevolle Gedanken oder sind es fröhliche, sonnige Gedanken – es wird sich alles in meiner Seele spiegeln.

Eckard von Hirschhausen bestätigt das. Er sagt:

„Wie du dich fühlst, das hängt maßgeblich von Deinen Gedanken ab. Bist Du in schlechter Stimmung sind die Farben düster, dann stellst Du Dir auch Deine Zukunft mies vor und findest in der Vergangenheit bestimmt ein passendes Beispiel dafür, dass Du damit Recht hast.
Bist Du grad richtig gut drauf (Farbe: die Sonne scheint), dann siehst Du die Zukunft glücklich und alles wird Dir gelingen, so glaubst Du, weil Du in der Vergangenheit auch genügend Beispiele finden wirst, wo es so war, als Dir sogar das Unmögliche gelang.

Liebe silberne und goldene Konfirmanden,

in welcher Farbe leuchtet Ihre Seele heute? Wird sie bestimmt von düsteren oder von heiteren Farben? Welche Erinnerungen kommen hoch?

Vor 50 Jahren waren Sie , liebe goldene Konfirmanden, der zweite Jahrgang, der in dieser Kirche konfirmiert wurde. Die Kirche war damals also noch neu. Manche haben vielleicht gedacht: Wozu eine neue Kirche? Wir können doch wie die anderen vor uns nach Sottrum gehen, da wo wir getauft wurden und unsere Eltern geheiratet haben. Andere haben sich gefreut, dass der Weg zur Kirche nun nicht mehr so weit war. Inzwischen sind zwei Generationen in dieser Kirche heimisch geworden, haben Freude und Leid hier vor Gott gebracht, gebetet, gesungen, Gott gelobt oder ihm ihr Leid geklagt.

Und Sie, liebe Silberne Konfirmanden, welche Erinnerungen verbunden Sie mit der Kirche und ihrem Glauben? Hat er sie getragen, ermutigt, begleitet durch die Jahre.

Und wenn Sie heute an Ihre Beziehung zu Gott denken, wie stellt sie sich dar? Welche Farbe zaubert Gott in Ihre Seele?

Ein hoffnungsvolles Grün, das Sie mit der Natur verbindet und die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens anzeigt.

Oder erstrahlt die Seele heute eher in feurigem Rot der Begeisterung und der Liebe, die Sie dahin gebracht hat, wo Sie heute stehen.

Oder ist sie eher in violett getaucht, was eine Sehnsucht nach Heil und Ganzheit ausdrückt?

Oder überwiegt das himmlische Blau, dass für Treue und Wahrhaftigkeit steht.

Ist es goldenes Licht, dass alles Dunkle erleuchtet und das Leben als etwas so Wertvolles offenbart?

Egal, welche Farbe es ist, es ist immer ein göttliches Leuchten darin.

Viele Farben sind ein Bild für die Verwandlung. Das kann ein schmerzhafter Prozess sein. Das göttliche Licht bringt zusammen, was gespalten ist. In Gottes Liebe wird alles eins und die innere Spaltung überwunden.

Paulus schreibt: „Habt Geduld und sucht in Liebe miteinander auszukommen. Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die euch der Geist Gottes geschenkt hat.“

Mich stärkt der Gedanke, dass ich mit Gott verbunden bin und er meine Seele zum Leuchten bringt. Sein Licht aufzunehmen, danach strebe ich, danach richte ich meine Sinne aus. Dabei hilft mir der Gedanke, dass ich nicht allein bin.

„Ihr alle seid ja ein Leib, in euch allen lebt ein Geist, ihr alle habt die eine Hoffnung, die Gott euch gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde berief.

Es gibt für euch nur einen Herrn, nur einen Glauben und nur eine Taufe.

Und ihr kennt nur den einen Gott, den Vater von allem, was lebt.

Er steht über allen. Er wirkt durch alle und in allen.“

 

Gott, der alles in allem ist, schenkt Gemeinschaft. Wir gehören zusammen, weil unser Glaube uns verbindet - ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

„Der Frieden, der von Gott kommt, soll euch alle miteinander verbinden!“

Lassen wir dies einmal spürbar werden, indem wir unseren Nachbarn die Hände reichen und uns den Friedensgruß zusprechen: „Friede sei mit dir.“

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Notfallseelsorge
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Fax: 
(04288) 1382
So. 19.10.14
Nimm dir Zeit (von Beate Ordemann)
Haike Gleede
Nimm dir Zeit (von Beate Ordemann)

Liebe Gemeinde!

Paulus schreibt einem seiner Schüler einen Brief – das war damals in Zeiten ohne Internet und Email noch üblich - ob er wohl eine Antwort erhalten hat? Ob er erfahren hat, wie sein Brief in der Gemeinde damals angekommen ist?

Wir wissen es nicht, denn ein Antwortbrief der Gemeinde an Paulus ist nicht erhalten. –

Wie nehmen wir heute die Zeilen aus dem Epheserbrief auf? Was könnten wir heute Paulus in einem Brief antworten?

Welche Gedanken verknüpfen wir in unserer Zeit mit seinen Gedanken von damals? Was beschäftigt uns, wenn wir seine Worte hören?

Ich habe mir dazu Gedanken gemacht. Hören Sie meine Antwort an Paulus:

II.

Lieber Paulus! Danke für Deinen Brief, über den ich mich sehr gefreut habe. Du gibst uns viele gute Ratschläge, wie wir mit unserer Lebenszeit umgehen sollen. Es ist gut zu wissen, dass Du so um unser Wohl besorgt bist. Daher antworte ich Dir auch umgehend.

Du ermahnst uns unsere Zeit gut zu nutzen. Ja, die liebe Zeit.

Der römische Dichter Horaz formulierte es in dem Ausspruch „Carpe diem“  - Nutze den Tag. Du hast vielleicht seine Schriften gekannt, da er nur 60 Jahre vor dir geboren wurde. Seine Redewendung „Carpe diem“ begegnet uns heute überall. Wir finden Sie auf Fußmatten, Tapeten, Büchern, Postkarten und Tassen. Das gab es zu Deiner Zeit sicherlich noch nicht, lieber Paulus. Heute ist es ist eine gängige Lebensphilosophie geworden. Nutze den Tag!

Aber für was nutzen wir unseren Tag?

Lieber Paulus, ich glaube, du würdest manchmal sicherlich den Kopf schütteln, wenn du uns dabei zuschauen würdest, wie wir unsere Zeit füllen…

Das Internet und unsere Smartphones haben uns fest im Griff und bestimmen nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern auch unsere Freizeit.

Immer über alles informiert und ständig erreichbar. Wir werden mit Nachrichten und Informationen überschüttet. Und ständig der Blick aufs Smartphone, ob nicht eine neue wichtige Mail angekommen ist. Schon der Morgen beginnt häufig damit. Lieber Paulus, ich muss gestehen, ich mache das auch oft…

Dein Ratschlag „Nutzt die Zeit. Lebt nicht wie Unwissende, sondern wie Menschen, die wissen, worauf es ankommt“ wird heute von vielen anders verstanden, als du es gemeint hast. Doch es gibt zu viele Dinge, um die wir uns kümmern müssen:

Da sind die Anforderungen unserer Arbeit. Unsere Arbeitswelt hat sich gegenüber den Zuständen in deiner Zeit vollständig gewandelt. Durch den technischen Fortschritt beschäftigen wir uns in immer kürzeren Abständen mit neuen Dingen. Das neue Computerprogramm, dass uns eigentlich die Arbeit erleichtern soll, stellt oftmals zuerst eine Arbeitsverzögerung dar. Es läuft noch nicht reibungslos und wir lernen erst damit umzugehen.

Wenn wir eine Familie mit Kindern haben, ist eine generalstabsmäßige Planung notwendig, um alle Termine und Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Da sind Managerqualitäten gefragt, um den Zahnarzttermin der Tochter mit dem Fußballtermin des Sohnes und dem Besuch der Großmutter im Pflegeheim zu koordinieren. Ach ja, und dann sind da ja noch die Termine für das Ehrenamt, denn sozial engagieren sollen und wollen wir uns auch….

Mir ist es ein absolutes Rätsel, was manche Menschen alles in ihren Tag packen. Ich denke da gerade an eine Freundin. Ihr Tagespensum wäre für mich gar nicht zu schaffen! Einerseits bewundere ich sie für ihre Arbeit, andererseits mache ich mir auch Sorgen, ob sie sich nicht mit manchem überfordert.

„Carpe diem“, nutze den Tag. Dieser Ratschlag verfolgt uns.

Wir rennen und hasten durchs Leben, um mit der Zeit zu gehen und alle Anforderungen zu erfüllen. Dabei fühlen wir uns oft überfordert, ausgebrannt, innerlich leer und sind am Ende unserer Kräfte.

III.

Ob Du, Paulus, zu Deiner Zeit solche Erfahrungen kanntest?

Auch zu Deiner Zeit scheint nicht alles besser gewesen zu sein. Die Menschen hatten andere Probleme und setzten sich mit anderen Dingen auseinander. Es gab noch keine Sozialversicherungssysteme. Die Sorge ums tägliche Überleben bestimmte für viele Menschen den Tag.

Du haderst mit Deiner Zeit, bezeichnest sie als »böse Zeit«. Mir ist das zu pauschal, eine Zeit komplett als »böse« zu bewerten. Auch der Gedanke, dass wir uns, bei besserer Zeitnutzung, gewissermaßen aus dieser bösen Zeit herausheben könnten, behagt mir nicht. Denn wir leben in ihr und haben Anteil an dem, was in der Zeit gelebt wird.

Was meinst Du, wenn Du sagst: Nutzt die Zeit?

Dir Paulus geht es gar nicht darum, möglichst viel zu schaffen, sondern darum, dass wir unsere Zeit mit sinnvollen Inhalten füllen – Dingen, die Gott gefallen und damit zum Wohlergehen aller beitragen.

Doch allzu oft, handeln und leben wir heute eher nach dem Sprichwort »Zeit ist Geld«. Ich habe den Eindruck, dass dieser Ratschlag, der anfangs nur jungen Kaufleuten galt – heute unsere Zeiteinteilung bestimmt: Immer auf dem Sprung, im Kopf kreist die Frage, ob wir alle Möglichkeiten optimal ausgenutzt haben und im Nacken sitzt die Angst, etwas Wichtiges verpasst zu haben.

IV.

Ein ganz anderer Umgang mit Zeit steckt hinter dem Projekt der John Cage-Orgelstiftung in Halberstadt. »So langsam wie möglich.« Seit September 2001 erklingt dieses achtseitige Orgelstück von John Cage in der St. Burchardi-Kirche in Halberstadt.

Mich fasziniert diese Idee: Ein Stück so langsam wie möglich zu spielen.

Die Stiftung in Halberstadt hat sich eigens gegründet, um dieser Frage nachzugehen. Sie erforschte die Geschichte von Orgel und Kirche und fand darin eine Antwort: 639 Jahre. Eine sehr lange Zeit für ein Musikstück!

Nun erklingt das Stück »So langsam wie möglich« tagaus tagein in dieser Kirche bis ins Jahr 2640!

Tage, Wochen, Monate, ja manchmal Jahre derselbe Ton. Für dieses Projekt wurde extra eine Orgel entwickelt, die Stück für Stück angefertigt wird. Zur Finanzierung dieses Projektes kann man Klangjahre kaufen.

Was für ein Zukunftsglaube, ein Stück bis in das Jahr 2640 hinein zu planen! Fast kommt es mir so vor, als wäre diese Musik eine Art Abbild himmlischer Ewigkeit; als holte diese Musik Gedanken ewigen Lebens auf die Erde oder zumindest in unsere Köpfe.

Auch im Gottesdienst versuchen wir die Zeit zu entschleunigen. Da lesen und hören wir immer nur einen Abschnitt, so wie heute aus Deinem langen Brief nur sechs Verse.

Dadurch können einzelne Gedanken besser nachklingen.

Und wir singen und beten, haben Momente der Stille. Auch das hilft beim Überlegen, wie wir das Gehörte umsetzen können. Der Gottesdienst ist eine ganz bewusst gestaltete Zeit. Eine Zeit Gottes und eine Auszeit für uns Menschen.

Und auch du Paulus, ermutigst uns in deinem Brief dazu, dass wir die Bibel nicht nur lesen, sondern auch singen und spielen.

V.

Doch dir, lieber Paulus, geht es nicht nur um unser gottesdienstliches Leben. Dir geht es um unseren Alltag. Denn es stimmt: Wir haben nur diese eine Zeit!

Im Alltag sollen wir gottesdienstlich leben und unsere Zeit nutzen. Also nicht nur arbeiten, sondern auch singen und spielen und auf diese Weise die Zeit auskosten.

Singen, Spielen und Tanzen verwandelt uns Menschen und bringt uns in Kontakt mit einer unerschöpflichen inneren Quelle. Meine Chorfreunde und ich merken das immer nach den Proben unseres Gospelchores. Auch wenn wir manches Mal erschöpft von den Aufgaben des Tages zur Probe kommen, sind wir am Ende des Abends wie erfrischt und haben gute Laune.

Und diese Freude überträgt sich auch auf andere und bringt auch sie wiederum in Kontakt mit ihrer eigenen inneren Quelle.

Dazu fällt mir ein Text von Anselm Grün in seinem „Buch der Lebenskunst“ ein.

Der Benediktinerpater Dr. Anselm Grün ist einer der meistgelesenen deutschen geistlichen Autoren der Gegenwart. Seine Bücher werden in über 30 Sprachen übersetzt. Er ist ein wahrer Meister darin, die Zeit zu nutzen. Lange Zeit arbeitete er nur dienstags und donnerstags von 6 bis 8 Uhr früh an seinen Büchern, da er als Verwalter der Benediktinerabtei Münsterschwarzach mit vielen betriebswirtschaftlichen Aufgaben betraut war.

Wenn Anselm Grün vom „Leben in Fülle“ spricht, meint er, dass wir uns nicht nur über Leistung und Erfolg, Anerkennung und Ablehnung definieren sollen. In uns ist eine besondere und unzerstörbare Qualität von Leben, die uns niemand rauben kann: „Ewiges Leben“.

Dadurch erfahren wir neue Lebendigkeit, Weite und Freiheit. In dem Wissen und dem Glauben: Gott stellt meine Füße auf weiten Raum – und meine Zeit steht in Gottes Händen. Eine sehr tröstliche Gewissheit!

VI.

Du merkst, lieber Paulus, Dein Brief beschäftigt mich. Was ist eine weise Lebensführung, wie kosten wir weise unsere Zeit aus?

Indem wir uns immer wieder ins Bewusstsein holen, was wichtig ist im Blick auf das Leben als Ganzes. Die Zeit aus den Augen verlieren und ganz in der Gegenwart aufgehen.

 

Auf Rhythmen achten: in der Musik, im Jahr, in unserem Leben.

Alles ist gegliedert, braucht Raum und Zeit, braucht seine überschaubaren Wiederholungen und Ordnungen.

Dann könnte beides in unserem Alltag vorkommen: in dieser Welt leben und sich einlassen auf die notwendigen Ordnungen – und durch Hören und Lesen, Singen und Spielen biblischer Texte angeregt, in gewisser Distanz leben zu ihr.

Und vielleicht hinterfragen wir unsere vermeintlichen und tatsächlichen Aufgaben achtsam und gewinnen dabei eine Antwort auf die Frage nach unserem ganz eigenen Lebenssinn und Ziel.

So viel für heute, lieber Paulus. Ich grüße Dich herzlich und erwarte gespannt Deine Antwort.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 05.10.14
Erntedankfestgottesdienst
Haike Gleede
Erntedankfestgottesdienst

Liebe Gemeinde,

so wie wir heute, so saßen sie damals auch zusammen. Damals, im Jahr 89 nach der Geburt Jesu. Es gab nicht mehr viele, die Jesus noch persönlich gekannt haben. Die kleine Gemeinde Jesu Christi traf sich heimlich, keiner durfte davon wissen. Die an Jesus Christus glaubten wurden verfolgt. Ein paar Jahre zuvor hatte der römische Kaiser behauptet, die Christen hätten die Stadt Rom, die Hauptstadt, angezündet und in Schutt und Asche gelegt. Natürlich wussten alle, dass der Kaiser selbst oder einer seiner Leute das Feuer gelegt hatte. Aber es war so einfach, zu behaupten: Die da, diese Christen, die sind schuld … So war das damals, so ist das manchmal auch heute noch: die sind schuld, die werden ausgegrenzt, verfolgt, inhaftiert.

Die kleine Christengemeinde kam vor Sonnenaufgang zusammen, damit niemand etwas merkte. Enggedrängt saßen sie da und sangen ein Loblied. Einen Priester gab es nicht. „Wir brauchen keinen Priester, sagen sie, wir brauchen nur einen, der von Gott und von Jesus Christus erzählt. Wir sind doch das Gottesvolk. Einer muss uns von den heiligen Schriften erzählen, uns sagen und auslegen, was das alles bedeutet.“

Sie brauchten keinen Priester, der das Schlachtopfer darbrachte, um Gott die Ehre zu geben. Das war mit Jesus ein für allemal vorbei.

In der frühen Morgenstunde versammelten sie sich, ein wenig müde noch, aber mit dem dringenden Bedürfnis: auch heute Morgen wollen wir unser Leben Gott anvertrauen, zu ihm beten und ihn bitten um Beistand für diesen neuen Tag und was er bringen wird.

Als sie gesungen und gebetet hatten, stand einer von ihnen auf, einer der Kirchenältesten. Er  tritt vor die anderen und beginnt zu sprechen: »Wir haben einen Brief bekommen: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.« »Amen« murmeln einige – „das ist wahr.«

Ich lese euch jetzt einen ganz wichtigen Teil vor, sagt der, der den Brief in der Hand hält.

Textlesung Hebr 13,15–16

Durch Jesus wollen wir Gott jederzeit und in jeder Lebenslage Dankopfer darbringen; das heißt: Wir wollen uns mit unserem Beten und Singen zu ihm bekennen und ihn preisen.

Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. Das sind die Opfer, an denen Gott Gefallen hat.

 

Wir kehren jetzt in unsere Zeit zurück. Wir waren Gäste, stille Zuschauer eines Gottesdienstes vor vielen Jahrhunderten. Aber wir nehmen etwas mit.

„Wir wollen uns mit unserem Beten und Singen zu ihm bekennen und ihn preisen“

Dass wir hier diesen festlichen Gottesdienst feiern – allein das ist schon Grund zu danken. Der Kirchenchor bringt das Lob Gottes und unsere Dankbarkeit in seinen Liedern zum Klingen.

Sich zu Christus zu bekennen – das geschieht auch in der Taufe. Sie haben heute ihren Sohn Louis in die Kirche gebracht. Sie sind mit ihm vor den Altar getreten und haben ihn taufen lassen. Damit haben sie sich zu Jesus Christus bekannt als Gottes Sohn. Aber auch Dankbarkeit und Lob schwingen da mit in ihren Herzen für dieses Kind.

 

Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen.

 

Die Erntegaben, die unseren Altar schmücken, zeigen unsere Dankbarkeit. Gott als Schöpfer dieser Erde schenkt uns, was wir zum Leben brauchen.

Es ist an uns , diese Güter gerecht zu teilen.

Aber es gibt noch mehr Gaben, die wir miteinander teilen oder einander mitteilen können. Denn auch für das Wort, das Gott uns schenkt, sind wir dankbar. Bekanntlich können wir das Wort, das uns hilft, nicht selber sagen. Wir brauchen Menschen, die es uns weitersagen. Darum bringen wir auch den Dank für Menschen wie dich, Astrid vor Gott. Darum sollst du jetzt auch das Wort haben:

 

 Liebe Gemeinde,
Ich möchte unserem himmlischen Vater durch seinen Sohn Jesus Christus danken, dass ich heute im Rahmen des Erntedankgottesdienstes hier in Horstedt als Lektorin eingeführt werde und den Gottesdienst mitgestalten darf. Die Vorbereitung dazu hat mich erfüllt und wenn ich in die Gesichter der Gemeinde schaue, dann gibt mir dieses Gefühl Lebenssinn.

Ja, Gottes Wort hier heute zu verkündigen ist eine wunderbare Tat. Dieses Gefühl wird mich sicher die nächste Woche und darüber hinaus begleiten. Ich danke Gott dafür.

Liebe Gemeinde,

Diese Worte hier und heute so zu sagen fällt mir nicht leicht. Wann sprechen wir schon so offen über unsere guten Taten. Das riecht nach Eigenlob. Das ist uns unangenehm. Dabei ermutigt unser heutiger Predigttext dazu.

Ich lese aus dem Hebräerbrief:

So lasst uns nun durch Jesus Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.
Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Lobopfer, wie das klingt! Loben, ja das mache ich gerne. Dagegen ein Opfer. Opfer klingt für mich nach großer Anstrengung. Wie passen diese Worte zusammen?

Lobopfer sind besondere Worte. Worte, an denen wir lange überlegt haben und die eine besondere innere Haltung zeigen. Wenn wir diese Worte sprechen, wird uns der Moment noch lange in Erinnerung bleiben.

In unserem Gottesdienst loben wir Gott, indem wir beten und singen. Diese Lobopfer sind gute Worte, Frucht der Lippen, wie es im Predigttext heißt.

Dort heißt es weiter: „Gutes zu und mit andern zu teilen ...“ Auch andere sollen in den Genuss unserer Lobopfer kommen und ermutigt werden, Lobopfer zu erbringen.

Nelson Mandelas, einer der größten Persönlichkeiten unserer Zeit, sagte bei seiner Antrittsrede zum südafrikanischen Staatspräsidenten u.a.:

Wir sind dafür von Gott gemacht zu leuchten, so wie Kinder leuchten und dieses Licht ist in jedem einzelnen von uns!
Und wenn wir unserem Licht erlauben zu scheinen, geben wir anderen Menschen damit auch die unbewusste Erlaubnis genauso zu scheinen, wie wir selbst.“

Diese Worte machen mir Mut. Ich darf leuchten! Ich darf sagen: Gottes Wort zu verkünden ist eine wunderbare Tat!

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 03.08.14
So viel du brauchst!
Haike Gleede
So viel du brauchst!

Kinder lachen und springen ins Wasser, Männer und Frauen zurren das Gepäck zusammen, Stimmen werden laut, die Ziegen blöken aufgeregt an der Wasserstelle. Aus dem Boden sprudeln Quellen. Jungen klettern Dattelpalmen hoch und füllen ihre Säcke. Es ist alles gut! Vor wenigen Tagen war das Volk Israel vom Schilfmeer in die Freiheit aufgebrochen. Nun die Rast in der Oase Elim. Vorräte werden aufgefüllt. Dann brechen sie wieder auf. Eine Zeitlang finden die Ziegen und Schafe genug Gräser oder Sträucher mit saftigen Blättern. Dann werden die Wiesen, Bäume und Sträucher immer spärlicher. Aus der Straße wird ein Weg. Aus dem Weg ein Pfad.« Bis auch der sich verläuft …

»Mama, hast du ein Stück Brot für mich?« Die Frage gibt der Mutter einen Stich ins Herz. Vor sechs Wochen waren sie aufgebrochen. Versprochen hatten sie ihr ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Jetzt ist es ein Wunder, dass sie überhaupt noch leben.

Vorne geht Mose. Danach folgt ein langer Zug. Menschen und Tiere. Die Alten müssen immer wieder getragen werden. Wenn die Schwangeren nicht mehr laufen können, kommen sie auf einen Esel. Seit sie die Karawanenstraße verlassen haben, ist der Weg noch beschwerlicher geworden. »Hier«, sagt sie zu ihrer Tochter und gibt ihr den letzten Rest von einem harten Fladenbrot. »Aber iss langsam.« Zweifel kommen. Nicht nur bei ihr. Wo war er denn, dieser Gott, der den Namen »Ich bin da« tragen soll?

Wie ein glutroter Ball geht die Sonne am Morgen am Himmel auf. Den ganzen Tag brennt sie unbarmherzig auf Menschen und Tiere herab. Am Abend versinkt sie hinter den Bergen. Schnell wird es kalt. Nirgends gibt es Holz für ein Feuer. In der Dunkelheit heult ein Schakal. Voller Angst schmiegen sich die Kinder an ihre Eltern. Und die Eltern?

V. 2–3 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten … Alle Wegzehrung ist aufgebraucht. Es gestaltet sich alles nicht so einfach, wie sie es sich erhofft hatten. Jeden Tag auf‘s Neue geht die Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln los. Niemand weiß, was nächste Tag bringen würde. Die Wüste fordert ihren Preis.

 

Egal wie unsere Wüste heißt. Und wenn die Menschen unzufrieden sind und hungrig, dann werden sie ungenießbar. Sie suchen einen Schuldigen, einen, den sie verantwortlich machen können.

Mose und Aaron werden angeklagt: „Ihr habt uns in diese Lage gebracht! Ihr seid verantwortlich!“

V. 11–12 Und Jahwe sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört … Inmitten der Stille der Wüste, inmitten aller Gottverlassenheit hört Gott genau hin. Die Beziehung Jahwe-Israel ist noch ganz jung. Welcher Vater, welche Mutter würde es ihrem Kind zum Vorwurf machen, wenn es vor Hunger schreit?

»Hunger« steht für den Mangel an allem, was zum Leben nötig ist. Bis hin zu dem Hunger nach dem Wort Gottes und der menschlichen Liebe und Wertschätzung.

Tatsächlich geschieht das, was unmöglich scheint. Mitten in der Wüste fällt Nahrung vom Himmel. Was servierte Gott seinem Volk? Wachteln und Manna. Natürlich gibt es dafür eine Erklärung: Wachteln sind Zugvögel, die oft lange Strecken zurücklegen. Wenn sie auf ihrem Flug müde werden, lassen sie sich in der Wüste nieder, um sich auszuruhen. In diesem Zustand lassen sich diese Vögel leicht fangen. Manna wird von Schildläusen bei der Ernährung ihrer Larven ausgeschieden, und fällt dann wie der Tau zu Boden. Es ist ein honigartiger Saft, der durch die Hitze des Tages aber verfällt. Sie fragen: “Man hu?“ „Was ist das?“ Sie schöpfen neuen Mut. Gott sorgt für sein Volk. Doch es gibt klare Regeln:

V. 16–18 Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht … Ich stelle es mir nicht leicht vor, sich zurückzuhalten; wirklich nur so viel zu nehmen wie ich heute verbrauchen kann. Nach langer Entbehrung müssen die Menschen doch gedacht haben: „Sammelt so viel ihr könnt. Wer weiß, was morgen ist!“ Aber genau das soll nicht sein! Gott will keine eifrigen Sammler, keine neidischen Menschen und keine gierigen Besitzer. Nur das Vertrauen zählt, dass Gott an jedem Tag gibt, was zum Leben nötig ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Für mich spiegelt sich diese Regel im Vater unser wider. Da beten wir: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Nicht weniger und nicht mehr. Nur wenn wir das akzeptieren, liegt Segen darauf.

Solange wir uns nur auf unsere menschlichen Kräfte verlassen und uns nur um unser eigenes Wohl kümmern, unseren eigenen Vorteil suchen, ja so viel wir uns auch anstrengen, dieser Weg führt in die Ungerechtigkeit, in die Armut und schließlich in den Tod.

Weniger als nötig zu haben, bedeutet Hunger, Armut und kaum Lebensqualität. Das gibt es leider auf dieser Erde in vielen Ländern. Über 800 Millionen Menschen hungern auf dieser Erde.

Mehr als nötig zu haben, tut auch nicht gut. Es bedeutet Überfluss und Geringschätzen dessen, was Gott uns gibt. Wir leben in einem Land, wo Überfluss herrscht und wo viele Menschen die Schätze der Natur, Essen, Trinken und Kleidung nicht achten, sondern verschwenderisch damit umgehen. Tonnenweise werden Lebensmittel jeden Tag vernichtet.

Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir von vielen Dingen viel zu viel. Und wir überhäufen unsere Kinder und geben ihnen eine immer größere Auswahl an Spielsachen, Süßigkeiten, an Essen. Wer die Wahl hat, wird wählerisch. Wir verlangen mehr, obwohl schon mehr als genug da ist. Gier macht blind und egoistisch. Keine gute Voraussetzung für eine Gesellschaft, in der einer den anderen achtet und dafür sorgt, dass alle zu ihrem Recht kommen.

Gott möchte uns zu einem rechten Maß und zum rechten Blick auf das Leben bringen. Wenn wir jeden Tag genau so viel haben, wie wir brauchen, um zu leben, dann leben wir jeden Tag wieder aus dem Vertrauen auf Gottes unendliche Güte.

Manchmal brauchen wir Zeiten der Entbehrung, um dann schätzen und genießen zu können, was wir haben.

Gott führt uns manchmal über unwegsame Strecken und fordert auch etwas von uns. Manchmal gibt es Wüstenzeiten, in denen unsere Geduld und unser Vertrauen hart auf die Probe gestellt werden.

Ein Traum einer menschlichen Gesellschaft, in der alle Menschen satt werden können.

Öde, Stille, Trockenheit in der Wüste, der Verlust des Horizontes, wenn sich Sand und Himmel verbinden, die Schritte schleppend – das sind innere Bilder, die uns auch nicht fremd sind.

Die Wüste der Trauer etwa, der Einsamkeit, die Wüste der Hoffnungslosigkeit oder die Wüste der Zweifel. Hunger überkommt uns. Nicht der, der meinen Magen knurren macht, aber meine Seele murrend. Hunger nach Vertrauen, nach Sicherheit, Trost, Liebe, nach Horizonten, hinter denen es weitergeht. Wir neigen dazu, nicht satt zu sein. In vielerlei Hinsicht …

Aber letztendlich reicht Gottes Geduld immer noch weiter und seine Güte ist größer als wir es vorstellen können.

Gott versorgt sein Volk. In diesem Vertrauen setzte das Volk seinen Weg fort.

Wenn wir uns auf Gott verlassen, dann wird er uns wieder und wieder überraschen mit seinen unerwarteten Gaben und mit seinem Segen führt er uns zu den Oasen in der Wüste.

Und die Taufe ist so ein Brunnen in der Wüste, aus dem schöpfen können.  

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 29.06.14
Warum tust du dir das an?
Haike Gleede
Warum tust du dir das an?

Liebe Gemeinde!

„Was krieg ich dafür?“ Das ist eine häufig gestellte Frage. Meine Kinder stellen sie, wenn ich sie bitte, etwas im Haushalt oder im Garten zu tun.

„Was gibst du mir dafür?“ Konfirmanden fragen bei jeder Einladung:

„Kriegt man dafür einen Gottesdienstpunkt?“

„Was hab ich davon?“ fragen viele, wenn sie gebeten werden, etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Ist Geiz immer noch so geil und ist es in unserer Gesellschaft wirklich so uncool, freiwillig etwas zu tun.

Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sich einbringen für andere im Verein, in der Kirche oder für einen guten Zweck.

Aber es werden merklich weniger, die sich freiwillig engagieren.

Der Predigttext führt uns in die Welt des Paulus, ein hochengagierter Apostel.

Zuerst verfolgte er die Christen, die damals als neue und gefährliche Sekte galten. Doch dann wurde er in einer überwältigenden Erscheinung von Jesus berufen. Er machte aus dem Saulus einen Paulus.

Seither setzte Paulus sich für die Verbreitung der christlichen Botschaft ein. Er reiste durch die Weltgeschichte, verzichtete auf jeglichen Komfort und hörte trotz Krankheit und Schmerzen nicht auf. Er ließ sich verspotten und verjagen, ins Gefängnis werfen und bedrohen, er setzte manches Mal sein Leben aufs Spiel.

Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht einer seiner Freunde ihn fragte:

„Paulus, warum tust du dir das an? Setz dich doch zur Ruhe und genieße dein Leben. Wozu brauchst du diesen Stress, noch dazu ohne dafür jemals bezahlt zu werden?“

Der Apostel Paulus schrieb einen Brief an die Christen in Korinth.

Darin beantwortet er diese Frage:

„Wenn ich die Gute Nachricht verkünde, erwarte ich keinen Ruhm.

Ich muss es ja tun. Denn wie schrecklich wäre es für mich, die Gute Nachricht nicht zu verkünden! … Worin besteht nun mein Lohn?

Mein Lohn ist, dass ich die Gute Nachricht ohne Bezahlung verkünde.

… Ich bin also von allen unabhängig und habe mich freiwillig selbst zum Diener für alle gemacht.“

 

Paulus kann nicht anders. Er muss einfach predigen. „Wes das Herz voll ist, geht der Mund über.“ Er verkündet die Botschaft von Jesus Christus, weil es ihm ein Herzensanliegen ist. So sehr hat ihn der Glaube ergriffen, so sehr brennt es in ihm. Er tut es nicht für Lohn. Das würde seine Arbeit schmälern. Er tut es, weil er es will, weil es ihm so wichtig ist, dass er auf vieles andere verzichtet. Er fühlt sich berufen. Allein das ist ihm eine Ehre. Jesus hat ihn, den ehemaligen Christenverfolger für würdig und fähig befunden, das Evangelium unter die Menschen zu bringen. Darauf war Paulus auch ein bißchen stolz.

Ich glaube, dass es auch heute noch solche Berufungen gibt.

Na klar, werden Sie vielleicht sagen: Sie sind doch Pastorin, das ist doch auch eine Berufung.

In der Tat empfinde ich das so. Es ist eine Ehre für diesen Beruf ausgebildet zu sein, ihn ausüben zu dürfen. Allerdings verdiene ich im Gegensatz zu Paulus damit meinen Lebensunterhalt. Manchmal sprechen mich Bekannte an und bedauern mich, weil ich ja jeden Sonntag arbeiten müsse. Ich sage dann immer:

„Sonntags arbeite ich nicht. Sonntags feiere ich Gottesdienst.“

Ich verstehe es als besonderes Privileg jeden Sonntag mit der Gemeinde feiern zu dürfen.

Ich denke an diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren. In jedem Dorf, in jedem Verein gibt es eine/n, der/die die Dinge in die Hand nimmt. Eine treibende Kraft, einen  Menschen, der die Gabe besitzt, andere zu begeistern für diese Sache. So entsteht eine rege Gemeinschaft, in die sich auch andere einbringen. Solche Menschen, die mit Herzblut dabei sind und freiwillig für andere sich einsetzen, braucht eine Gesellschaft. Nur so bleiben wir menschlich. Müsste alles bezahlt werden, gäbe es keine Gemeinschaft mehr, kein ungezwungenes Miteinander. Natürlich gibt es immer Unzufriedene, die sich kritisch zu Wort melden. Jeder hat so seine eigenen Vorstellungen und es fällt schwer, sich davon zu lösen.

Paulus hat mit den Menschen so seine Erfahrungen gemacht. Gerade in Korinth lebte eine bunte Völkermischung, die verschiedenen Kulturen angehörten. Juden, Griechen, Römer, Slaven und Freie, Reiche und Arme. Da ist es gar nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Wie konnten die Menschen damals ihm vertrauen, wenn sie so viele andere Erfahrungen machten.

Sie haben das Anliegen von Paulus kritisch hinterfragt:

„Sag mal, was bist du denn für einer? Hier in Korinth gibt es so viele, die uns das Heil predigen. Woher sollen wir wissen, dass du es ernst mit uns meinst?“

In der Tat traten häufig Wanderprediger auf, die sich von den Gemeinden versorgen und feiern ließen: Unterkunft, Nahrung, Kleidung, Geld und Ruhm.

Paulus sagt: „Ich will keinen Lohn. Die Botschaft von Jesus Christus ist eine Botschaft der Freiheit. Ich möchte, dass ihr zuhört und ich bin für euch da.“

Nebenbei arbeitete Paulus als Zeltmacher, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er hatte keine hohen Ansprüche. Darum brauchte er nicht viel. Ihm war es eine Freude, wenn er den Menschen ganz nahe sein konnte – mit den Fröhlichen lachen und mit den Traurigen weinen konnte.

Er beschreibt das in seinem Brief:

„Auf diese Weise will ich immer mehr Menschen gewinnen.

Für die Juden lebe ich wie ein Jude. So will ich die Juden gewinnen.

Für die, die das Gesetz befolgen, lebe ich wie jemand, der das Gesetz befolgt – und das, obwohl ich selbst nicht mehr dem Gesetz unterworfen bin. So will ich die gewinnen, die das Gesetz befolgen.

Für die, die das Gesetz nicht kennen, lebe ich wie jemand, der das Gesetz nicht kennt – und das, obwohl ich keineswegs ohne das Gesetz Gottes lebe.

Vielmehr lebe ich nach dem Gesetz von Christus. So will ich die gewinnen, die das Gesetz nicht kennen.

Für die Schwachen bin ich selbst schwach geworden, damit ich die Schwachen gewinne.“

Paulus verstand es, die Menschen da abzuholen, wo sie gerade waren. Er hat sich in sie hineingefühlt und sie angehört. Er hat nicht geurteilt, sondern ihnen in ihre Lebenswelt hinein von Jesus erzählt, von seinen Werten, seiner Liebe und seiner Hingabe. Er hat nicht gefordert: Du muss dich ändern. Dein Lebensstil ist falsch. Ich zeig dir wie es richtig geht.

Er hat sich auf die Menschen eingelassen, auf ihr Denken, ihre bisherigen Lebensstrategien, auf ihre Hoffnungen und Ängste, auf ihren Glauben. Und dabei hat er sie auf Gottes Spuren in ihrem Leben aufmerksam gemacht.

Viele haben sich taufen lassen und sich der christlichen Gemeinde angeschlossen. Sie haben erfahren, dass die Christen trotz aller Unterschiede eine starke Gemeinschaft bilden, eine Gemeinschaft, die weit mehr bietet als fröhliche Zusammenkünfte. Sie fühlten sich in ihrer Seele angesprochen und ahnten, dass das Leben mehr ist als wir je mit Geld kaufen können.

Paulus, warum tust du dir das an?

Seine Antwort:

„Das alles tue ich für die Gute Nachricht, damit ich selbst Anteil bekomme an dem, worum es in ihr geht.“

Paulus du machst mir Mut und ich kann dich gut verstehen. Kann es etwas Größeres, Erfüllenderes geben als die Botschaft von Jesus unter die Leute zu bringen, mit ihnen zu lachen, zu weinen, zu feiern und zu schweigen?

Ich denke nicht.

Kann es etwas Wichtigeres geben als eine Gemeinschaft, in der jede/r einen Platz hat, in der das Leben zum Wohle aller gestaltet wird und die Menschen sich gegenseitig bereichern.

Wo nicht die Frage gestellt wird: Was krieg ich dafür, wenn ich mitmache? Das schafft klare Fronten und zerstört jede Beziehung. Wo die Frage ist: Was kann ich einbringen? Was ist meine Berufung? Wo schlägt mein Herz?

Wo Menschen im Namen Gottes zusammen sind, feiern und beten, lachen und weinen, und sich gegenseitig unterstützen, da wohnt Gott mitten unter uns. Daran möchte ich gern mitarbeiten.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 06.04.14
Sehnsucht nach Gott
Haike Gleede
Sehnsucht nach Gott

Liebe Gemeinde!

In jedem Gottesdienst begegnen wir dem Wort Gottes. Es ist uns überliefert in der Heiligen Schrift, der Bibel. Es wurde aufgeschrieben von Menschen, die Gott in ihrem Leben erfahren haben, die Jesus Christus begegnet sind und die von Gottes Geist beflügelt ihre Lebensspur gefunden haben.

Heute haben wir einen Text gehört, den Taufbefehl, der zu jeder Taufe dazugehört. Denn wir taufen nicht, weil wir uns das ausgedacht haben oder es einfach schön ist; wir taufen, weil Jesus dieses Sakrament geschenkt hat. Es verbindet uns mit Gott selbst.

Drei Taufsprüche haben Sie ausgesucht:

Was hat Sie bewogen, genau diesen einen Vers aus der Bibel auszuwählen und ihrem Kind in die Wiege zu legen bzw. ins Herz zu schreiben?

Ich glaube, wir suchen oft ganz intuitiv einen Spruch aus, der gerade für dieses Kind, für diesen Menschen einen entscheidenden Hinweis enthält.

All diese Sprüche sind aus einem Kontext genommen, einem größeren Sinnabschnitt oder einer Geschichte. Es sind Worte, die in eine bestimmte Lebenssituation hineingesprochen wurden und für die Zuhörer eine besondere Bedeutung hatten. Worte, von denen die Menschen glauben, dass sie weitergegeben werden sollen.

Es entsteht ein Netzwerk von Glaubensworten, die Menschen zusammenführen. Und wir werden merken, wie alles miteinander verknüpft ist und einen immer tieferen Sinn offenbart, je mehr wir uns damit beschäftigen. Und dass wir alle ein Teil in dieser Geschichte Gottes sind, die er mit uns schreibt.

 

Es lohnt sich also einmal genau hinzuschauen und die Zusammenhänge zu ergründen, aus denen die Taufsprüche kommen.

Matthäus 7, 7: Elia

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“

Jesus sammelte zu seinen Lebzeiten viele Menschen um sich. Er hatte Freunde, es gab Menschen, die ihm gerne zuhörten, weil er ihnen einen neuen Blick auf ihr Leben öffnete.

Es gab auch Kritiker und es gab diejenigen, die ihm nach dem Leben trachteten. Zu all diesen Menschen sprach er und viele seiner Weisheiten sind zusammengefasst in der Bergpredigt.

Dort finden wir  auch den Taufspruch von Elia:

Matthäus 7, 7: Elia

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“

An welche Türen klopfen wir denn so in unserem Leben und was erwartete uns hinter welcher Tür? Was erwarten wir?

Du kannst dir nicht ein Leben lang alle Türen offen halten, um keine Chance zu verpassen.

Auch wer durch keine Türe geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr  die Türen – eine nach der anderen – zu. Wer selber leben will, der muss entscheiden:

Ja oder nein – im Großen und im Kleinen.

Wer sich entscheidet, wertet, wählt, und das bedeutet auch: Verzicht. Denn jede Tür, durch die er geht, verschließt ihm viele andere. Man darf nicht mogeln und so tun, als könne man beweisen, was hinter jener Tür geschehen wird.

Ein jedes Ja – auch überdacht, geprüft – ist zugleich Wagnis und verlangt ein Ziel.

Gut, dass wir Gott bitten dürfen. Er wird uns Wege aufzeigen, die wir gehen können und uns an Türen bringen, die uns Räume eröffnen, in denen wir Leben können.

Wir sind gefragt, etwas zu tun: zu bitten, zu klopfen, zu suchen, zu finden, zu empfangen und etwas aus dem Geschenk des Lebens zu machen. Aber was leitet uns bei unserer Entscheidung. 

Dazu hat der Apostel Paulus etwa 50 n. Christus einen Brief an die Korinther geschrieben, an eine seiner christlichen Gemeinden, die er in Kleinasien gegründet hat. Aus dem folgenden Abschnitt aus dem 2. Kor 3  kommt der Taufspruch von Nico: Horcht genau hin:

Jesus Christus, wirkt durch seinen Geist. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Wir alle sehen in Christus mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit Gottes wie in einem Spiegel. Dabei werden wir selbst in das Spiegelbild verwandelt und bekommen mehr und mehr Anteil an der göttlichen Herrlichkeit. Das bewirkt der Herr durch seinen Geist.

Welcher Geist ist in uns lebendig und treibt uns an? Der Zeitgeist oder der Heilige Geist.

Gottes heiliger Geist wirkt durch diejenigen, die in seinem Namen diese Welt gestalten.

Wie wir das umsetzen können beschreibt ein Gemeindevorsteher ca. 100 Jahre später in einem Brief an seine Gemeinden: Darin finden wir auch den Taufspruch von Celin:

1.     Johannes 3, 18 lasst uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.

Oder GNB: Erkennt ihr den Vers wieder? Und auch die anderen beiden Sprüche klingen hier noch einmal an. Der Gemeindevorsteher, ernennt sich Johannes bringt es so auf den Punkt:

Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit entsprechen: der Liebe, die Gott uns erwiesen hat.

Daran werden wir erkennen, dass die Wahrheit Gottes unser Leben bestimmt. Damit werden wir auch unser Herz vor Gott beruhigen können, wenn es uns anklagt, weil unsere Liebe doch immer Stückwerk bleibt. Denn wir dürfen wissen: Gott ist größer als unser Herz und weiß alles, er kennt unser Bemühen wie unsere Grenzen.

Ihr Lieben, wenn unser Herz uns nicht mehr anklagt, dann können wir mit Zuversicht zu Gott aufschauen.

Wir erhalten von ihm, worum wir bitten, weil wir seine Gebote befolgen und tun, was ihm gefällt.

Sein Gebot ist: Wir sollen uns zu seinem Sohn Jesus Christus bekennen und einander so lieben, wie er es uns befohlen hat.

Wer Gottes Gebot befolgt, bleibt mit Gott verbunden und Gott mit ihm. Durch den Geist, den er uns gegeben hat, wissen wir, dass Gott in uns lebt.

Ich bin sehr beeindruckt wie all diese Worte über Jahrhunderte gesammelt so ineinandergreifen. Immer wieder haben Menschen um ihren Glauben gerungen, darüber diskutiert. Durch ihr Suchen und Fragen sind sie der Wahrheit immer ein Stück nähergekommen. Sie haben die Freiheit des Geistes gespürt und aus ihm gelebt. Sie haben ihren Worten Taten folgen lassen. Und wir stehen in ihrer Nachfolge. Auch wir fragen nach dem Glauben, nach seiner Bedeutung und nach der Kraft, die er uns verleiht. Damit dürfen wir niemals aufhören.

 Die Sehnsucht nach der Sehnsucht Gott zu lieben, genügt, um auf dem Weg zu ihm zu sein.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Sa. 16.11.13
Predigt am Volkstrauertag
Haike Gleede
Predigt am Volkstrauertag

Liebe Gemeinde!

Haben Sie noch Träume? Schöne und zukunftsweisende Visionen? Oder haben Sie das Träumen schon aufgegeben? Denn da ist ja  sowieso nichts mehr zu retten in dieser Welt.

Micha hat eine Vision:

„Der HERR weist mächtige Völker zurecht und schlichtet ihren Streit, bis hin in die fernsten Länder. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.

Jeder wird in Frieden bei seinen Feigenbäumen und Weinstöcken wohnen, niemand braucht sich mehr zu fürchten.“

Micha ist Landwirt im alten Israel und er ist Prophet. Im Namen Gottes spricht er zu den Menschen in Jerusalem. Die haben schon lange keine Träume mehr. Zuviel Unheil haben sie erlebt: Krieg, Flucht, Gefangenschaft – alles verloren, soviele Tränen geweint und alle Hoffnung aufgegeben auf ein Leben in Frieden. Frieden, das ist ein Wunschtraum, nicht die Wirklichkeit – davon sind sie überzeugt.

Auch davon hat Micha oft genug gesprochen. All das Unheil hat er vorhergesagt. Immer wieder. Jahrelang. Damals haben sie über ihn gelacht. Es ist alles eingetreten: die Zerstörung der Hauptstadt, die Besetzung des Landes, der Tod vieler Menschen.

Doch Micha hat nicht aufgegeben. Er hat noch Träume. Er hat Visionen von Gottes neuer Welt. Seine Worte klingen nach bis heute. Es sind Hoffnungsworte geworden, weil es Gottes Worte sind. Denn Frieden schaffen wir nur mit Gott.

 

"Schwerter zu Pflugscharen" – das ist eine göttliche Verheißung. Sie ist 2500 Jahre alt. Sie hat nichts von ihrer Kraft verloren. Sie hat Menschen durch die Zeiten ermutigt. Jesus von Nazareth hat diese Verheißung in den Seligpreisungen neu formuliert.
Die christliche Friedensbewegung machte sie zu ihrem Leitwort.  Und auch Künstler ließen sich davon inspirieren.

Am 4. Dezember 1959 schenkte die Sowjetunion der UNO eine Bronzeskulptur von Jewgeni Wutschetitsch, die das biblische Motiv bildlich-plastisch darstellt. Die Skulptur wurde im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York City aufgestellt. Die Skulptur zeigt einen muskulösen Heros, der ein Schwert zu einem Pflug umschmiedet. Sie ist im Stil des Sozialistischen Realismus gestaltet und hebt die Schöpferkraft des arbeitenden Menschen hervor. Zugleich appelliert sie an das Friedensziel der UN-Charta.

Die Friedensvision "Schwerter zu Pflugscharen" ist ein eindrucksvolles Bild.

Ein Bild voller Trost und Hoffnung für die Menschen, die Kriege erlebt haben und wissen, was das bedeutet. Wie viel Trauer und Schmerz, wie viel Leid und Zerstörung.
Es stellt sich die Frage: Dient es dem Leben, dass Menschen lernen, Krieg zu führen?
Müssen wir nicht um des Lebens willen den Frieden lernen und lehren?
Kann man lernen, gewaltfrei Konflikte zu bearbeiten?
Ist solche Friedenserziehung, ist solche Friedensbildung inmitten einer kriegs- und gewaltgeplagten Welt realistisch?

Als Christen und Christinnen sagen wir dazu eindeutig "Ja!".

Angesichts der Krisenherde unserer Welt wird deutlich: Wir brauchen die alten Friedensvisionen der Bibel, gerade weil Gewalt und Terror zur täglichen Realität in dieser Welt gehören. Und manchmal erfüllen sich Träume.

"Schwerter zu Pflugscharen" – das war das biblische Motto, das Pfarrer Harald Bretschneider seit 1980 den Menschen während der Friedensdekaden in den Evangelischen Kirchen der DDR mit auf den Weg gegeben hatte. Auf Jacken und Revers war es tausendfach zu sehen.
Immer mehr Jugendliche trugen dieses Symbol als Zeichen ihrer Sorge angesichts einer zunehmenden Hochrüstung und nahmen Schikanen dafür in Kauf. 1981 wurden die Aufnäher verboten. "Wehrkraftzersetzung" und "Friedensfeindlichkeit" waren die absurden Vorwürfe, mit denen die Träger des Symbols unter Druck gesetzt wurden. Viele Jugendliche widersetzten sich dem Verbot – andere nähten sich aus Protest weiße, unbedruckte Flecken auf die Ärmel – oder sie schrieben mit Filzstift "Hier war ein Schmied".
Die Bewegung "Schwerter zu Pflugscharen" wurde 1989/90 zu einer großen Sammelbewegung für Menschen, die ihren Unmut über das DDR-Regime nicht mehr länger bei sich behalten wollten. Tausende versammelten sich damals in den Kirchen und Gemeindehäusern – den einzigen Schutzräumen, die der totalitäre DDR-Staat duldete. Es wurde deutlich, wie unser Glaube wirken kann in unserem Leben und welche Kraft er verleiht.

Die Vision "Schwerter zu Pflugscharen" hat die Gegenwart friedlich verändert und den Traum vieler Menschen Wirklichkeit werden lassen.

 

Es ist ein starkes Bild. Schwerter werden zu Pflugscharen. Wenn wir es weiterdenken und uns vorstellen, wie Panzer zu Mähdreschern werden, und Gewehre zu Gartengeräten, wird uns schnell klar, wie sinnvoll das wäre.

Aus Waffen werden zivile Nutzinstrumente. Und die Menschen aus allen Nationen, von denen in der Vision die Rede ist, sollen "hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen".
Sie bearbeiten die Erde und leben davon. Das könnte doch der Weg sein in eine gerechtere Welt.

Krieg und Gewalt haben ein Ende. Die vom Blut durchtränkte Erde wird wieder beackert und gibt hungernden Menschen Nahrung. Die Heimatlosen haben ein Dach über dem Kopf. Jeder hat seinen Feigenbaum und seinen Weinstock und alle friedlich leben ohne Neid ohne Streit ohne Hass. Ein wunderbares Bild, ein Traum der vielen Flüchtlinge, die gerade aus Afrika nach Europa drängen. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel für diesen Traum. Auch wir können einen Beitrag leisten, damit dieser Traum wahr wird.
Ein Leben für Frieden und Gerechtigkeit heute heißt, sich gegen bestimmte Trends zu stellen, nicht mehr möglichst viel Geld aus allem raus zu schlagen, Menschen

zu verteidigen, die sich selbst nicht verteidigen können, Menschen zu helfen, die selbst schwach sind. Und es kann auch heißen, selbst schwach zu werden, um lieben zu

können.

Natürlich werden jetzt die Kritiker wieder ihre Stimmen erheben und erklären wie unrealistisch das ist. Wir sind eben Menschen und können gar nicht anders als unseren Vorteil zu suchen. Und schließlich kann doch niemand die Welt retten.

Und so dreht der Teufelskreis sich weiter.

Geben wir unsere Träume nicht so schnell auf – es sind von Gott gesandte Träume, um uns daran zu erinnern: Gott schenkt Träume und Visionen, damit wir nicht aufgeben. Der Herr wird uns seine Wege lehren, sagt Micha.

 

Micha zeigt uns, wie Frieden nach Gottes Vorstellung aussieht:

„Der HERR weist mächtige Völker zurecht und schlichtet ihren Streit, bis hin in die fernsten Länder.“

Jesus sagt: »Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten –

mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.

Freuen dürfen sich alle, die unter dieser heillosen Welt leiden –

Gott wird ihrem Leid ein Ende machen.“

 

„Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.“

Jesus sagt: „Freuen dürfen sich alle, die unterdrückt sind und auf Gewalt verzichten – Gott wird ihnen die Erde zum Besitz geben.“

 

Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser.

Jesus sagt: „Freuen dürfen sich alle, die danach hungern und dürsten,

dass sich auf der Erde Gottes gerechter Wille durchsetzt – Gott wird ihren Hunger stillen.“

 

„Jeder wird in Frieden bei seinen Feigenbäumen und Weinstöcken wohnen, niemand braucht sich mehr zu fürchten.“

Jesus sagt: „Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften –Gott wird sie als seine Söhne und Töchter annehmen.“

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 24.11.13
Predigt zum Ewigkeitssonntag
Haike Gleede
Predigt zum Ewigkeitssonntag

Liebe Gemeinde!

Heute ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Wir feiern ihn als Ewigkeitssonntag und denken an die Verstorbenen des Kirchenjahres. Schon mit dem nächsten Sonntag beginnt etwas Neues: Advent – Zeit der Erwartung.

Viele von Ihnen haben im zuendegehenden Kirchenjahr einen Angehörigen verloren. Es ist nicht leicht, den Tod anzunehmen.

Was bleibt sind die Erinnerungen an den/die Verstorbene(n).

Wenn das Bild auf Familienfotos uns entgegenblickt, dann wird die Erinnerung wach an gemeinsam Erlebtes. An glückliche Tage, aber auch an Zeiten, als Sie gemeinsam dunkle Stunden und Tage durchgestanden haben.

Der Blick in die Vergangenheit kann heilsam sein, aber nur solange, wie wir uns daran nicht festklammern. Denn das Leben ist auf die Zukunft ausgerichtet. Wir können wohl ab und an zurückblicken, aber niemals zurückgehen. Darum bedeutet Trauer, einen Weg in die Zukunft zu finden.

Gibt es etwas, was bleibt? Was uns nicht genommen werden kann?

Jesus sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht; sie bleiben gültig für immer und ewig.“

Seine Botschaft von der Liebe und vom Heil der Menschen gilt. Er hält sein Versprechen. Er weist auf eine Zukunft über den Tod hinaus. Noch können wir uns das Reich Gottes nicht vorstellen. Darum rät Jesus: Seid wachsam! Seid aufmerksam auf meine Worte, die so leicht untergehen im Gewirr des Alltags.

Jesus öffnet einen weiten Horizont, viel weiter als wir denken können. Er sagt:

„»Doch den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel – nicht einmal der Sohn. Nur der Vater kennt sie.

Seht zu, dass ihr wachbleibt!“

Mich erinnert das an Jesu Bitte an seine engsten Freunde im Garten Gethsemane: „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet.“ Jesus hatte Angst, Todesangst. Wie wichtig sind in solch einer Situation Menschen, die wach bleiben, die einen Sterbenden begleiten und mit ihm beten.

Viele von Ihnen haben in diesem Jahr gewacht am Bett eines Sterbenden. Haben gebetet für einen geliebten Menschen, der im Sterben lag. Sie haben ihre Angehörigen begleitet und sie ihre Zuneigung und Liebe spüren lassen.

Doch dann blieben sie zurück, während der andere hinüberging in eine andere Welt. Sie kehrten zurück in den Alltag.

Für manche war der Tod eine Erlösung, für andere eine Tragödie.

Für andere brach der Tod plötzlich und unerwartet über die Familie herein. Sie hatten keine Gelegenheit, sich zu verabschieden, den Sterbenden ein Stück des Weges zu begleiten. In solch einer Situation lähmt der Schock zunächst und macht unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Es braucht dann viel Zeit, den Tod zu akzeptieren und sich auf den Weg der Trauer zu machen. 

Trauer kostet viel Kraft und lässt für nichts anderes mehr Raum. Trauern - das kann für den einen eine heilsame und tröstende Erfahrung sein, aber auch in Seelennöte stürzten. Hin- und hergerissen zwischen Zweifel und Glaube, zwischen Hoffnung und Resignation suchen Menschen einen Ausweg zurück ins Leben.

Wenn für uns eine Welt zusammenbricht, dann nimmt Gott die Bruchstücke unseres Lebens und schafft daraus etwas völlig Neues. Wir vertrauen darauf, dass er vollendet, was er begonnen hat. Wenn wir das Leben ausatmen, dann atmet Gott uns ein.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Diesen Vers aus Psalm 90 kennen viele. Manchmal steht er über Traueranzeigen. Für mich gehört dazu ein weiterer Vers aus diesem Psalm: „Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.“

Wir wissen, dass unser Leben auf der Erde vergänglich ist. Himmel und Erde sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Und doch bin ich dankbar, dass ich heute hier auf dieser Erde lebe. Ich bin dankbar für die Menschen, die mir wichtig sind. Auch für die, von denen ich Abschied nehmen musste.

Ich weiß: Gott sieht mich an. Ich gehöre zu den Seinen. Er vertraut mir etwas an.

Jesus macht das in einem Gleichnis deutlich:

„Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Er verlässt sein Haus und überträgt seinen Dienern die Verantwortung. Jedem weist er seine Aufgabe zu, und dem Türhüter befiehlt er, wachsam zu sein.

So sollt auch ihr wach bleiben, weil ihr nicht wisst, wann der Hausherr kommen wird.“

Gott füllt uns die Hände mit seiner Gnade. Jedem teilt er eine Aufgabe zu.

Er fordert uns auf, wach zu bleiben. Nicht in einen Dämmerzustand zu verfallen, sondern in ihn in allen Dingen zu suchen. Noch leben wir im Dunkeln, ist unsere Seele umnachtet. Es bedarf besonderer Aufmerksamkeit, um im Dunkeln etwas zu erkennen.

Wachsam sein heißt achtsam sein mit den Menschen um uns herum.

Wachsam sein heißt, Gott zu erkennen im anderen.

Manchmal erinnern wir uns an Worte, die der/die Verstorbene zu Lebzeiten gesagt hat. Kleine Äußerungen oder immer wiederkehrende Sprüche. Nicht immer nehmen wir diese Worte ernst. Erst im Rückblick bekommen sie eine tiefe Bedeutung, weil sie etwas andeuten vom Sterben, vom Glauben. Sie sind wie kleine Eingebungen, Ahnungen aus einer anderen Welt.

Wir sind am Ende des Kirchenjahres angekommen. Wir bleiben nicht stehen. Etwas Neues kündigt sich schon an. Nächsten Sonntag, am 1. Advent, beginnt ein neues Kirchenjahr. Adventszeit ist die Zeit der Erwartung. Wir bereiten uns vor auf den, der da kommt im Namen des Herrn. Und wir erw arten etwas von ihm. Darum bleiben wir wachsam und achtsam.

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 08.09.13
Gottesdienst
Haike Gleede
Gottesdienst

Liebe Gemeinde!

Kennen Sie Bruce? Bruce Allmächtig. Neulich erst lief der Film im Fernsehen.

Bruce Nolan ist ein unzufriedener Fernsehreporter bei einem Lokalsender in Buffalo. Als der bisherige Nachrichtensprecher in den Ruhestand geht, hofft Bruce sein Nachfolger zu werden. Doch dann erfährt er, dass sein Kollege Evan Baxter den Job erhält. Er rastet während der Übertragung aus und wird daraufhin gekündigt.

Nach einer Reihe weiterer Tiefschläge macht er Gott dafür verantwortlich, dass sein Leben nicht so läuft, wie er es sich vorstellt. Gott tritt mit ihm tatsächlich in Kontakt. „Wenn du meinst, Bruce, du könntest besser die Welt regieren als ich – bitte.“ Gott überträgt ihm alle seine Fähigkeiten. Für Bruce gibt es nur zwei Regeln: Er darf niemandem sagen, dass er Gott ist, und er kann den freien Willen der Menschen nicht beeinflussen. Gott selbst macht derweil Urlaub.

Bruce ist überwältigt und probiert seine Kräfte gleich aus. Sein altes Auto verwandelt er in einen schicken Sportwagen. Um seine Freundin Grace zu beeindrucken, rückt er den Mond näher zur Erde. Während einer laufenden Reportage lässt er einen Meteoriten einschlagen. Er wird bald als erfolgreicher Reporter gefeiert, der immer als erster zur Stelle ist.

Doch langsam wächst Bruce seine Göttlichkeit über den Kopf. Da er alle ihn erreichenden Gebete mit Ja beantwortet, gewinnen tausende von Menschen gleichzeitig im Lotto, was zu niedrigen Gewinnquoten und wütenden Protesten führt. Der Meteoriteneinschlag führt zu Stromausfällen und der veränderte Mond zu Überflutungen. Schließlich verlässt ihn auch noch seine Freundin.

Und ganz Buffalo ist in Aufruhr. Und eins schafft Bruce nicht: dass seine Freundin ihn wieder liebt. Denn den freien Willen kann er nicht beeinflussen. Letztendlich erkennt Bruce, wo sein Platz ist und was er wirklich will: als normaler Mensch seinen Job machen und mit seiner Freundin glücklich sein. Mit sich und seinem Leben versöhnt, gibt er Gott seine Allmacht zurück. Ihm genügt sein Menschenleben voll und ganz.

 

Was würden Sie tun, wenn Sie für einen Tag göttliche Macht hätten?

 

Auch die Jünger Jesu hatten solche Wünsche. Ein starker Glaube, der Berge versetzt – das ist ihr Traum. Menschen heilen, für Gerechtigkeit sorgen, auf alles eine Antwort haben .Stattdessen stoßen sie an ihre Grenzen. Darum wenden sie sich an Jesus mit einer Bitte. Im Lukasevangelium ist folgende Episode überliefert: Lukas 17, 5-6

Und die Apostel sprachen zu dem Herrn:

„Stärke uns den Glauben!“

Der Herr aber sprach:

Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn,

dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen:

„Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!“,

und er würde euch gehorchen.

 

Stärke unseren Glauben! Was erwarten die Jünger? Dass Jesus ihnen tief in die Augen blickt -  und schon ist der Glaube da? Dass er eine Formel spricht, sie anhaucht oder ihnen die Hände auflegt, um sie zu stärken?

Jesus tut nichts dergleichen. Er antwortet mit einem merkwürdigen Bild:

„Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn,  dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: „Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!“,

und er würde euch gehorchen.“

Was soll der Maulbeerbaum im Meer. Das ist nicht der Ort, an dem er gut gedeihen kann. Da geht er unter.

Was wollt ihr tun mit eurem Glauben?

Berge versetzen oder Maulbeerbäume ins Meer umpflanzen oder nur mal eben kurz die Welt retten?

Jesus spricht von Glauben so groß wie ein Senfkorn. Ganz kleiner Glaube, ein Minisamenkorn groß, ein Fünkchen nur kann Großartiges bewirken.

Jesus ermutigt seine Jünger. Er sagt: Ihr habt mehr als genug Glauben.

Nicht Gott stärkt euren Glauben, ihr selbst seid gefragt. Schaut hin, was ihr ändern könnt in eurem Leben. Fangt klein an – nehmt euch nicht gleich vor, Bäume zu verpflanzen oder die Welt zu retten.

Glauben habt ihr – sonst wärt ihr nicht meine Jünger.

Findet euren Platz, wo werdet ihr gebraucht?

 

Liebe Gemeinde!

Wir sind ja auch Jünger und Jüngerinnen Jesu.

Wir haben diesen göttlichen Funken in uns. Die Taufe bekommen wir ihn. Gott schenkt seinen Geist. Gott traut uns etwas zu! Trauen wir Gott etwas zu?

 

Heute wurde Lea getauft. Und du hast dir einen Taufspruch ausgesucht: Hebr 10. 35

„Werft euer Vertrauen nicht weg, denn es findet reichen Lohn.“

Das ist deine Ermutigung für dein Leben. Du bist ein Kind Gottes. Solange du glaubst, dass Gottes Kraft in dir wohnt – solange kannst du alles schaffen, was du willst. Du wirst es erreichen, wenn es sinnvoll ist und dir und deinen Mitmenschen guttut.

Denken wir noch einmal an Bruce. Natürlich – das ist nur ein Film. Ich finde, es liegt eine Wahrheit darin. Bruce hat etwas verstanden: Nicht Erfolg und Macht machen einen Menschen liebenswert. Unsere Aufgabe ist es, unseren Standpunkt zu finden. Am Ende sagt Gott zwei Dinge zu ihm:

Du willst ein Wunder erleben? Sei selbst das Wunder!

Und als Bruce immer noch nicht versteht, sagt er:

Du trägst den göttlichen Funken in dir. Du hast die Gabe Freude und Lachen in die Welt zu bringen Und das ist eine Menge.

Jede/r trägt den göttlichen Funken in sich. Und damit können wir eine Menge bewegen.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Mo. 26.08.13
Begrüßungsgottesdienst
Haike Gleede
Begrüßungsgottesdienst

Liebe Kinder! Liebe Gäste! Liebe Gemeinde!

„Fahre noch einmal hinaus, dahin wo das Wasser tief ist und wirf die Netze aus.“

Die anderen Fischer tuscheln miteinander: „Was soll denn das, jeder weiß dass man am Tag nichts fängt.“

Simon wendet ein: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen!“ Jesus schweigt.

 

Дорогие дети! Дорогие Гости! Дорогая община!

«Отплыви на глубину, и закинь сети свои для лова.

Остальные рыбаки перешёптываются: «Зачем? Все знают: днём нет смысла ловить.»

Симон возражается:» Учитель, мы трудились всю ночь и ничего не поймали.»

Иисус молчит.

 

Und Simon tut, was Jesus sagt.

Kaum hat er das Netz ausgeworfen, füllt es sich auch schon mit Fischen!

Simon und sein Bruder Andreas rufen ihre Kollegen, Johannes und Jakobus zu Hilfe.

Mit vereinten Kräften schaffen sie es, den Fang ins Boot zu ziehen.

Die Fischer können es kaum fassen. Solch einen Fang hatten sie noch nie. Es ist ein Wunder! Doch in die Freude mischt sich noch ein anderes Gefühl.

 

И Симон делает, что Иисус говорит.

Только что закинул сеть, уже наполняется рыбой!

Cимон и его брат Андрей призывают коллег, Иоана и Иакова, помочь им.

Вместе им удаётся выташить лов.

Рыбаки не понимают что случилось. Такой лов ! Никогда не было у них такого.

Это чудо! Но в радости и ещё другое чувство вмешается.

 

Simon fällt vor Jesus auf die Knie: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“ Und Jesu Antwort: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fischen!“

Jakobus und Johannes, Simon und Andreas sind entschlossen, Jesus zu folgen.

Sie gehören zu den ersten Jüngern Jesu.

„Fahre hinaus, wo es tief ist“, sagt Jesus zu Petrus. „Keine Kraft mehr“, sagen die leeren Hände; „Unsinn“ sagt die Erfahrung. Und doch gehen sie das Wagnis ein.
 

Симон припадает к ногам Иисуса: «Отоиди от меня.Я человек грешный.»

И ответ Иисчуса: «Не бойся! Отныне будешь рыбак человеков!»

Иаков, Иоан, Андрей и Симон решили последовать за Иисусом.

Они были первые ученики.

«Отплыви на глубину!», говорит Иисус Симону. «Нет сил!» говорят пустые руки. «Нелепость!» говорит опыт. Но всё таки они осмеливаются следовать Иисуса.

 

Simon, der später Petrus genannt wurde, hat den Auftrag angenommen. Er ist ein Menschenfischer geworden. Fürchte dich nicht, sagt Jesus. Von nun an wirst du Menschen fischen. Du wirst Menschen gewinnen, verbinden, mit dem Netz der Fülle, die Gott schenkt. Wo Menschen zusammenhalten, aufeinander achten und mit vereinten Kräften anpacken, entsteht ein Netzwerk. Da fällt keiner so schnell heraus, da sind alle getragen und eingebunden.

 

Симон, которого потом назвали Пётр, принял поручение. Он стал рыбаком человеков. «Не бойся!» говорит Иисус. Ты будешь обретать людей, связывая их в сети полноты, которую подарит Бог. Где люди держатся вместе, присматривают друг за другом и вместе стараются -. зарожается сеть. Из этой сети никто не выпадает.

Все свзязанны и поддерживаются.

 

Die Geschichte vom Fischzug des Petrus erzählt von unvorhergesehener Fülle, wo gerade noch alle Hände leer waren. Der Reichtum liegt nicht in unserer Hand. Er liegt in unserem Herzen.

Diese Geschichte führt uns in unsere eigene Tiefe. Das Wasser, der See steht für das Unbewusste. Fische werden als geheime Wünsche und Gedanken, Träume und Sehnsüchte, gedeutet.

„Werft die Netze aus, wo es am tiefsten ist!“ sagt Jesus. Ich verstehe das so: Geht in eure eigene Tiefe. Entdeckt eure verborgenen Talente. Holt eure Sehnsüchte ans Licht. Lasst andere an euren Träumen teilhaben.

 

Этот разказ о рыбалке Петра покажет неожиданую полноту, где руки были пусты.

Богатсво не лежит в наших руках, а в наших сердцах.

История ведёт нас в нашую глубину. Вода , озеро– символ подсознания.

Рыбы можно понять как тайные желания и мысли, как мечты и тоску.

«Отплыви на глубину и закинь сети свои!», говорит Иисус. Я это так понимаю:

Ищите в свою глубину. Находите свои скрытые таланты. Выташите тоску на свет. Разделите мечты ваше между собою.

 

Der Fisch wurde zum Glaubenszeichen und zum ersten christlichen Glaubensbekenntnis.

IXTYS

Dieses Erkennungszeichen wurde nicht ohne Grund von den Christen gewählt:
Aus den Buchstaben des griechischen Wortes {lat. geschrieben: "ichthys"}
= "Fisch" lassen sich folgende Worte bilden:

Рыба стала знаком веры и первым вероисповиданием Христиан.

Рыбу как условный знак выбирали не зря.

По греческом рыба  - ихтус. Каждое буква имеет значение:

 

Die griechischen Buchstaben stehen für das, woran die Christen glauben.

Es ist das kürzeste christliche Glaubensbekenntnis:
"Ich glaube an Jesus Christus, er ist Gottes Sohn und mein Retter"
 

Буквы напоминают о том,  во что Христане верят:

Верую в Иисуса Христа, он сын божей и мой спаситель.

 

Das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes verbindet Christen in der ganzen Welt.

Heute begrüßen wir unsere Gäste aus Gomel. Wir freuen uns auf spannende, erlebnisreiche Wochen mit euch. Der Austausch über die Grenzen hinweg ist ein großer Reichtum. Wir leben alle aus derselben Kraft und durch denselben Geist, der in der Taufe geschenkt wird.

Der Fisch steht für die Gemeinschaft derer, die sich als Gottes Kinder verstehen.

 

Признание Иисусу Христу как сына Божего соединит Людей во всём мире.

Сегодня мы приветствуем наших гостей из Гомеля.  Мы с радостью ожидаем увлекательных  и впечатлителных недель с вами. Общение между народами – это большое богатство. Мы все живём от силы и с духом Бога, подаренной  нам крешением.

Рыба символ общности тех, кто принадлежит к детям Бога.

 

Ich habe hier einen Fisch aus Teelichtern vorbereitet. Die Lichter erinnern an die Taufkerze, wie wir sie heute für Jette angezündet haben. Jesus Christus, der Sohn Gottes ist das Licht der Welt. Er macht uns zu einer starken Gemeinschaft. Als Zeichen dafür, dass wir uns als ein Teil dieser Gemeinschaft verstehen und unser Licht leuchten lassen, lade ich Euch alle ein, hier eine Kerze anzuzünden.

Während dieser Aktion wird Benjamin Faber für uns Musik machen.

 

Я приготовила здесь рыбу свечами. Свет свечей напоминает свечу крещения.

Иисус Христос, сын божей является светом мира. Он укрепляет нашу общность.

Как знак того, что мы принадлежим к этой общности, приглашаю вас всех зажечь свечку.

Amen.

 

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 23.06.13
"Ich mache den Weg frei...!"
"Ich mache den Weg frei...!"

»Wir machen den Weg frei!«

 

Liebe regionale Gottesdienst-Gemeinde,

 

es gibt nicht viele Werbeslogans, die sich so tief ins Gedächtnis der Deutschen  eingesenkt haben wie dieser. „Wir machend den Weg frei“ feiert in diesem Jahr sein silbernes Jubiläum.[1] 1988 verdiente sich die Werbeagentur Eiler & Riemel eine goldene Nase mit diesen fünf Worten. Und seitdem ist jedem klar, dass es nicht um Schneeschieber geht oder Räumfahrzeuge, sondern natürlich um die…?

 

»Volks- und Raiffeisenbanken…«

 

Merkwürdig, wofür wie in unserem Kopf Speicherplatz bereithalten, nicht wahr!? Übrigens landet der Slogan damit auf dem 17. Platz der beliebtesten Werbeslogans überhaupt – knapp hinter „da weiß man, was man hat“… (was war das noch…?)   ––   Aber noch vor der zartesten „Versuchung, seit es Schokolade gibt“… – Die mit den lila Kühen.

 

„Wir machen den Weg frei“ Was an dieser Kampagne besonders beeindruckend ist, sind ihre Bilder. Auch die haben sich eingebrannt: Ein Kajakfahrer, der genau auf einen Felsen zu paddelt. Und kurz bevor er ihn trifft, driftet der Fels auseinander und gibt den Weg frei. Oder ein Autofahrer, der vor sich nur noch Wüste sieht. Aber er vertraut dem Weg, steigt in den Wagen und fährt los – und ein mächtiger Wind kommt auf und bläst den Sand von der perfekt asphaltierten Straße…

 

Die Bilder sind mächtig! Man muss nicht schon einmal in einem Kajak gesessen haben um zu wissen: Das könnte jetzt brenzlig werden…; ich bewege mich schnurstracks auf den Abgrund zu; fahre in die Sackgasse hinein und weiß nicht, wie ich noch wenden soll:

 

 • Ich erlebe das, wenn ich mich mal wieder total verrannt habe in meiner Argumentation mit jemandem. Wenn ich merke: es wird jetzt irgendwie lächerlich, aber es scheint kein Zurück mehr zu geben…
Das könnte jetzt brenzlig werden…

 

• Man erlebt das, wenn man in der Schule oder beim Chef mehr und mehr in die Enge gerät. Weil sich dieser Teufelskreis bildet: aus Ablehnung und Unlust und der Quittung, die ich kassiere, die ich wiederum als Ablehnung verstehe, die wiederum Unlust erzeugt…
Das könnte jetzt brenzlig werden…

 

• Ich erlebe das, wenn ich nicht mehr da rauskomme: Ich scheitere wieder und wieder an den von mir selbst gesetzten Zielen: Nur noch einmal will ich mich auf diese Sache einlassen. Danach ist Schluss… Aber ich scheitere, in die Enge getrieben von einer Macht die mit meinen ehrlich gemeinten Entschlüssen spielt. Und ich  beginne mich selbst zu verachten. Und damit ich nicht mit Haut und Haaren in diesem Scheitern untergehe, tue ich so, als könne ich den Teil von mir abspalten, der den Befehlen meines Verstandes nicht gehorcht…  ‘Das bin ich nicht! Das ist ein anderer…‘
Das könnte jetzt brenzlig werden…

 

Situationen, in denen ich zwischen den Fronten stehe: Ich fahre schnurstracks auf dürres Land zu und alles sieht danach aus, als würde ich augenblicklich steckenbleiben…
Die Bilder sind mächtig. Man muss nicht schon einmal auf die Wüste zugefahren sein, um zu wissen: hier droht Gefahr für mich.

 

„Wir machen den Weg frei“ spielt mit unseren Erfahrungen von Angst und Ausweglosigkeit. Und ich bin mir sicher: Die kreativen Köpfe von Eiler & Riemel, dieser Werbeagentur, die das vor 25 Jahren entwickelt hat, kannten eine Geschichte in und auswendig:  Das Bild, das sie wieder und wieder gemalt haben – in ganz verschiedenen Varianten – haben sie abgeguckt im zweiten Buch Mose. Das Volk Israel steht mit seinem Anführer Mose am Scheideweg. Kein Vor und kein Zurück mehr. Verrannt zwischen dem Ägyptischen Heer und dem bedrohlichen Meer… In die Enge geraten…

 

Wissen Sie, eine logische Konsequenz wäre in dem Moment gewesen, dass sie Teile von sich abspalten. Dass sie auseinanderdriften und in verschiedene Himmelsrichtungen fliehen. Dass sie alles aufgeben: die Einheit, die Identität. Das wäre zumindest eine Taktik gewesen, eine Überlebensstrategie! Vielleicht wäre die Hälfte des Volkes entkommen…!

 

Aber offenbar will Gott keine halben Sachen. Er will dich ganz, so wie du bist, mit den Schwächen und den Stärken; mit den Schwachen und den Starken; er will das ganze Volk: die Fußkranken und die Kinder genauso wie die jungen Männer. Als alles auf der Kippe steht, ist es der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der sagt:

 

„Ich mache den Weg frei!

 

Liebe Gemeinde, wem traue ich das zu? Meiner Volks- und Raiffeisenbank? Ich traue denen ja eine Menge zu…

 

Genauso übrigens wie denen von der Sparkasse: Wenn’s um Geld geht… (Sie wissen schon…)   ––   Das sei einfach mal gesagt, um nicht weiter Schleichwerbung zu machen…; mit dem Slogan steht die Sparkasse übrigens auf Platz 5…

 

…ich traue denen also eine Menge zu – aber wenn’s um mich geht!? Um mein Leben, meine Ängste, meine Sorgen, meine Not?
Man muss kein Bankenkritiker sein, um an diesem Punkt zurückhaltend zu werden. Wer sich die Frage derart auf der Zunge zergehen lässt, der kommt schnell ins Nachdenken… Wem traue ich zu, mir den Weg freizumachen? Meinen persönlichen, aber auch den Weg für diese Welt…!?

 

Wir sind ja immer schnell dabei zu schauen, wo solche Texte zu uns persönlich zu sprechen beginnen. Wo also die Parallelen zwischen der Ausweglosigkeit am Schilf­meer und meiner Ausweglosigkeit liegen könnten. Ich glaube, wir tun das zu Recht. Denn Gottes Sehnsucht nach Freiheit für sein Volk muss doch auch heißen, dass er sich danach sehnt, dass jeder Einzelne frei wird und aufrecht gehen kann?   –– Nur darf dabei eben jene zweite Perspektive nicht aus dem Blick geraten: Gott liebt die Freiheit seiner ganzen Schöpfung. Der Menschen und Völker, die er gemacht hat. Und glaubt nicht, er sähe heute das Elend seines Volkes und das Elend der anderen Völker heute nicht mehr…  Und glaubt nicht, er säße da und drehte Däumchen! Er ist der „Ich mache den Weg frei“. Seine Methoden sind womöglich nicht die, die uns zuerst einfallen würden, seine Wege sind nicht die breiten Heerstraßen; nicht die Autobahnen, die gebaut wurden, um Militär schnell bewegen zu können. Er findet Wege, wo vorher keine waren. Durch das Wasser hindurch! Manchmal besteht die Arche der Rettung in einem schaukelnden und zerbrechlichen Binsenkörbchen…[2]  ––  Sagt nicht, Ihr glaubt nicht an Wunder…!

 

Manchmal besteht die Arche der Rettung in Kerzen und Gebeten: »Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.« Sagt ein Stasi-General. Das ist sein Kommentar zum Ende der DDR vor 24 Jahren.[3] Zu den friedlichen Umwälzungen, die eine Epoche beendet haben. Es ist ein Geständnis, ein Eingeständnis – und ein Satz, der daran erinnern kann, dass machtvolle Gewalten, bis an die Zähne bewaffnet, durch Menschen und Gottes Geist geschlagen werden können. Ohne Abwehrschirme. Ohne Prism. Ohne Tempora. Ohne täglich 600 Millionen Telefonate mitzuhören und sich damit scheinbar selbst zum Allmächtigen zu machen…

 

»Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.« –– Am 30. September tritt Hans-Dietrich Genscher auf den Balkon der Botschaft der Bundesrepublik in Prag und beginnt zu sprechen: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise..."   …weiter kommt er nicht.

 

Darf man diese Geschichte nach 24 Jahren noch erzählen? Ich glaube, man muss sie wieder und wieder erzählen. Sie gehört zu unsrer Identität. Und als Christ will ich aus ihr lernen: Gott schaut nicht tatenlos zu, wenn wir zwischen den Fronten stehen; zwischen den Stacheldrähten; zwischen den hochgerüsteten Mächten; zwischen denen, die mich bedrängen…!

 

„Ich habe das Elend meines Volkes gesehen“, hört Mose aus dem brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch. „Ich will retten!“, hört er. Und diese Botschaft verbrennt nicht. Sie wird nicht zu Asche. Sie ist heiß – bis auf den heutigen Tag. Unumstößlich. „Ich bin der ich bin.“, hört Mose. Und er macht diese Erfahrung. Für uns alle…

 

Diese Visitenkarte, die Gott dort abgibt, die findet sich an allen möglichen Ecken der Geschichte wieder. Jahrhunderte, nachdem jene Erzählungen vom frei werdenden Weg am Schilfmeer dem Volk schon einmal versichert hatten, auf wessen Seite Gott steht, ist Gottes Stimme wieder deutlich vernehmbar:

 

„Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.“
(Jes 43,2)

 

Jesaja, der Prophet überbringt diese Botschaft. Vergesst das nicht, so spricht euer Gott: Ich bin für euch, ich ebne euch die Wege, ihr sollt nicht zerdrückt werden zwischen den Fronten, die euch attackieren, dort wo euch die Luft zum Atmen fehlt, dort wo es heiß wird. Als Jesaja die Menschen an diese Zusagen erinnert, schickt er voraus:

 

Jakob…! Israel…! Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
(Jes 43,1)

 

…und aus den Worten an  ein ganzes Volk werden Worte, die mich treffen… So transparent sind sie gesprochen, dass ich ahne: In dieser Geschichte Gottes mit seinen Menschen komme ich selbst vor! Als jemand, der seine Erfahrungen damit hat, wenn das Wasser bis zum Halse steht. Als jemand, der schwitzt und dem heiß und kalt wird, wenn Wüste und harter Fels näher rücken…   ––   All das soll dir nichts anhaben!

 

Wem traue ich das zu?

 

• Ich traue es dem zu, der mich wieder und wieder aus dem Wasser gezogen hat. Klitschnass an Leib und Seele. Zitternd vor Angst: Nach den 12 längsten Minuten meines Lebens. • Nach der Niederlage, als ich versuchte, um meine Liebe zu kämpfen.
• Nach der Einsicht, dass ich es war, der umkehren musste, weil ich auf dem Holzweg war.

 

Ich traue es dem zu, der mich in die Arche gesetzt hat: An einen Ort der Sicherheit, ins Auge des Sturms, wo Ruhe herrschte um durchzuatmen; so wie einst Mose, der durch den Sturm und das Gewitter der Mordlust des Pharaos hindurch gerettet wurde; der aus dem Wasser gezogen wurde. Sein Name zeugt davon, welche Züge Gottes Ange­sicht trägt: Er ist der, der aus dem Wasser zieht, der durch die Wasser hindurch bringt, dessen Botschaft nicht vom Feuer gefressen wird. Das ist sein Wesen. Er hat Leidenschaft für  selbstbestimmte und aufrecht gehende Menschen, die ganz zu sich stehen und nicht den unliebsamen Teil ihrer selbst aufgeben; für Menschen, die sich ganz an ihn halten. So nennt er sich:

 

Ich bin, der ich bin.  -  Und du bist mein!

 

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm,
wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.       (Ps 69,2-3)

 

Worte aus dem Tempel Jerusalems. Zweieinhalbtausend Jahre alt. Aber aktuell für alle, die darauf warten zu hören:

 

Ich mache den Weg frei! „Ich bin, der ich bin.“

 

AMEN.

 


[1] Ergebnis einer Studie von 6/2004. Vgl. [23.6.2013]  http://www.slogans de/slogans.php?Op=SRanking1

[2] Das in 2.Mose 2,3 gebrauchte hebr’ische Wort Tewah für ein Körbchen, in das Mose gelegt wird, ist dasselbe wie jenes, das in 1.Mose 6,14 die Arche bezeichnet: Bei Luther ein „Kasten“ bzw. ein „Kästlein“.

[3] Au dem Fernsehfilm „Nikolaikirche“ (1995) von Frank Beyer.

 

So. 09.06.13
2. Sonntag nach Trinitatis
Haike Gleede
2. Sonntag nach Trinitatis

Nichts ist unmöglich! Verspricht ein Werbeslogan

Bei Gott sind alle Dinge möglich! Sagt die Bibel (Mt 19,26)

 

Liebe Gemeinde!

Sind Sie auch manchmal genervt von der Werbung, die uns überall begegnet?

Ich kann mich dem gar nicht entziehen. Der Briefkasten quillt über von Werbeprospekten mit den allerneuesten Angeboten. Reklametafeln locken mit den schönsten Versprechungen. Kein Film läuft ohne Werbepause. Das nervt. Was soll das?

Wir haben doch den Trick längst durchschaut. Wer auf sich aufmerksam machen will, wer an die Leute ran will, an ihr Herz, an ihr Interesse und natürlich an ihr Geld, der macht Werbung.

Wir schalten sie weg, werfen sie achtlos ins Altpapier und hören gar nicht hin.
Und doch erreicht sie uns. Sie setzt sich im Kopf fest, gräbt sich tief in unser Unterbewusstsein.
Die Reklame verfehlt ihre Wirkung nicht. Sonst würden nicht Gelder in Millionenhöhe dafür ausgegeben.

Und nun stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen vor dem Fernseher, und auf einmal, so zwischen ‚Rama macht das Frühstück gut' und der tollsten Tütensuppe aller Zeiten sehen Sie eine Werbung der besonderen Art:
Mutter, Vater und drei Kinder und die Oma noch dazu sitzen - leicht gelangweilt - um den sonntäglichen Frühstückstisch herum, eine gewisse Ödnis und Lahmheit ist nicht zu übersehen, es wird gegähnt hier und da, lustlos in der Kaffeetasse rumgerührt, muntere Tischgespräche wollen auch nicht aufkommen so früh am Morgen, aber da: mit Elan und Tatendrang springt ins Bild die freundliche Nachbarin von gegenüber und ruft: "Schluss mit den langweiligen Sonntagvormittagen bei lauwarmem Kaffee und Aufbackbrötchen! Es muss doch mehr im Leben geben! Wir empfehlen Ihnen: Kommen Sie in unseren Gottesdienst! Kommen Sie zu Wein, Brot und Gesang, jede Woche neu, die zarteste Versuchung, seit es Sonntagvormittage gibt.“

Liebe Gemeinde,
ja es gibt wirklich mehr im Leben als das coolste Styling, dass bei jedem Wetter hält , und der Knusperwaffel, die ganz Deutschland morgens um halb zehn zu sich nimmt.
Es gibt ein Angebot, das alle Versprechen hält und dass uns stark macht.

Gott wirbt um uns. Es ist ein Liebeswerben. Und er bietet ein reichhaltiges Angebot für Leib und Seele.

" »Kommt her, wer Durst hat! Hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen! Kauft euch zu essen! Es kostet nichts! Kommt, Leute, kauft Wein und Milch! Zahlen braucht ihr nicht!“

 

Gott schickt Propheten.  Nicht alle glauben ihnen.

Gott schickt seinen Sohn, Jesus. Er lädt ein:

"Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!"
Längst nicht alle kommen.

Die Menschen streben nach anderen Dingen, die ihnen Ansehen verschaffen.

Die Marktschreier Gottes laden zum Festmahl der Freude.

Die Geladenen sagen ab. Die neuesten Errungenschaften müssen begutachtet werden. Die große Liebe geht vor.

Keine Zeit für Gott - zu beschäftigt, zu wichtig, zu verliebt.

Woher kommt es, dass wir die Werbung für alltägliche Belanglosigkeiten so tief in uns aufnehmen, während das Wort Gottes uns nur gelegentlich erreicht?

Gott ist der einzige Bewerber, der etwas umsonst anbietet. Ohne Hintergedanken. Kein Werbegeschenk, sondern ein echtes Geschenk.

„Kommt, Leute, kauft Wein und Milch! Zahlen braucht ihr nicht!“

Was er anbietet, ist lebenswichtig!

 

Milch ist das erste Lebensmittel, das ein Mensch und alle Säugetiere überhaupt zu essen bekommen. Sie enthält alles, was ein Mensch zum Leben braucht, es ist die geballte Lebenskraft. Milch gilt als rein und unverfälscht und von alters her als Speise der Götter.

 

Brot, Grundnahrungsmittel. Auch darin steckt ein Stück Lebenskraft. Brot gilt gleichzeitig als Gewöhnlichste und als Geheiligte Speise. Im Abendmahl wird das ganz deutlich. Jesus spricht. Das ist mein Leib.

Als solches gilt es als Lebensmittel zum ewigen Leben.

 

Wein steht für die Lebensfreude. Jesus verwandelte auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein, damit das fest weitergehen konnte. Schon im AT gilt als gesegnet, wer einen Weinstock besitzt. Jesus deutet den Wein als sein Blut vergossen zur Vergebung für viele.

 

Wasser ist die Ursubstanz, aus der Leben entstanden ist. Es steht für Reinheit und Klarheit. Es löscht den Durst, reinigt und erfrischt. Es hat aber auch zerstörerische Kraft. Denken wir an die Überschwemmungen, die die Menschen in Süd- und Ostdeutschland in diesen Wochen in Atem halten. Und doch können wir ohne Wasser nicht leben.

In der Taufe wird diese Deutung übertragen. Wasser des Lebens – es steht für Gottes durchdringende Gegenwart in unserem Leben.

 

Lebenskraft, Vergebung, Segen, Freude – all das hat Gott im Angebot. Schließlich schenkt er sich sogar selbst.

Wir tun gut daran, seine Einladung anzunehmen und sein Angebot zu Herzen!

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen. 

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 16.06.13
Gottesdienst am Kräutertag
Haike Gleede
Gottesdienst am Kräutertag

Liebe Gemeinde!

Das Hochwasser wälzt sich weiter durch Ost- und Norddeutschland.

In Schleswig-Holstein blicken die Menschen gebannt auf die Elbe.

Ebenso in Lauenburg sowie in Hitzacker in Niedersachsen.

Am Flussufer gegenüber von Lauenburg wurde ein Wasserstand von 9,53 Metern gemessen. Auch Niedersachsen kämpft gegen die Elbeflut. Die Einsatzkräfte müssen die Deiche gegen die Wassermassen verteidigen. Tausende von Helfern sind im Einsatz.

Millionen von Sandsäcken sollen die Deiche stabilisieren und die Wassermassen aufhalten. Deichläufer sind unentwegt im Einsatz.

Viele Menschen werden evakuiert, andere harren aus und versuchen den Fluten zu trotzen. Viele bangen um ihr Hab und Gut, viele verlieren ihre Existenzgrundlage.

Die Wassermassen richteten vermutlich einen Schaden in Milliardenhöhe an.

Das Jahrhunderthochwasser hält Deutschland in Atem. Dies sind Nachrichten der vergangenen Wochen.

Die Bilder und Berichte aus den betroffenen Gebieten erinnern an die biblische Sintflut. Die endet mit einem Versprechen.

Als Noah aus der Arche steigt, baut er einen Altar. Er lobt Gott. Und Gott verspricht:

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Das bedeutet: Nie wieder wird Gott das Leben auf der Erde vernichten. Der Lebensrhythmus macht Leben möglich.

Es bedeutet jedoch nicht, dass es keine Unwetter, Dürrezeiten oder andere Naturkatastrophen mehr geben wird. Die Menschen sind ein Teil der Schöpfung. Sie Leben von der Natur und mit ihr. Es ist wichtig, die Naturgewalten aufmerksam zu beobachten und zu respektieren.

Es wird auf dieser Erde immer vieles gleichzeitig geben. Naturkatastrophen und wunderschöne, einladende Landschaften. Freude und Leiden; Lachen und Weinen; Geburt und Tod, Unglück und Glück – es gibt alles gleichzeitig auf dieser Welt.

Wir feiern heute Kräutertag und 10 Jahre Bibelgarten. Wir machen uns bewusst, was für ein Geschenk es ist, was für eine Gnade hier auf diesem Fleckchen Erde zu leben. Gleichzeitig denken wir an die Menschen in Süd- und Ostdeutschland, die in den Fluten ausharren und die Hoffnung nicht aufgeben. Und an die vielen Helfer, die unermüdlich im Einsatz sind.

Dennoch lassen wir uns unser Fest nicht nehmen. Wir feiern die Natur, die sich uns hier in all ihrer Pracht entfaltet, die wir tagtäglich genießen dürfen.

Die Natur hat viele Gesichter, so wie Gott sich in unterschiedlicher Weise offenbart und seine Farbtupfer ins Leben setzt. Manchmal ziehen dunkle Gewitterwolken auf, aber niemals malt er das ganze Bild schwarz. Er lässt Lichtblicke offen, setzt seinen Bogen in den Himmel. Er entsteht, wenn Sonnenstrahlen auf Regentropfen treffen.

„Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig.

Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.“

Der Regenbogen - ein Symbol voller Botschaften:

Der Bogen schafft eine Verbindung. Wir sind miteinander verbunden.

Seine Farben sind faszinierend und schön. Sie reflektieren das ganze Farbspektrum. Alle Farben sind darin enthalten, auch wenn wir sie nicht alle wahrnehmen können. Genau so ist Jesus das Prisma für unser Leben. Durch ihn hindurch erstrahlt das Leben in seiner ganzen Fülle. Nicht alle Facetten nehmen wir wahr und doch ist er darin gegenwärtig.

Durch Menschen setzt Gott Hoffnungsschimmer ins Bild.

Da gibt es Menschen, die helfen. Menschen, die spenden. Menschen, die beten. Menschen, die trösten. Menschen, die darüber nachdenken, wie es nach der Flut weitergehen kann. Niemand ist allein und das Schicksal eines Menschen lässt uns nicht kalt.

Die Farben des Regenbogens erzählen vom Leben, von allem, was Gott uns in seiner Schöpfung schenkt.

Rot - Eine kraftvolle Farbe, die an Feuer und Leidenschaft erinnert. Es ist die Farbe des heiligen Geistes. Die Farbe des Herzens, das bereit ist, seine Liebe im Übermaß zu verschenken. Rot ist die Liebe, heißt es. Die Bibel sagt: Gott ist die Liebe. Als Liebende sind wir ein Teil von ihm. Rot wie Blut – Jesus vergoss sein Blut am Kreuz, so offenbarte er seine Liebe zu uns.

Gelb - wie die Sonne, ohne deren Licht wir im Dunkeln tappen. Christus sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Darum ist die hell strahlende Sonne ein Symbol für ihn. Tage wie diese, an denen wir Gottes Segen bewusst empfangen und uns über unser Leben freuen, sind in der Erinnerung Sonnentage des Lebens.

Gelb ist die Farbe der Ewigkeit.

Orange - verbindet das Rot der Liebe mit dem gelb der Sonne. Es ist wie eine brennende Flamme, die niemals erlöscht. Feuer und Flamme sein für eine Sache – das bringt Wärme und Lebensenergie.

Grün: entsteht aus Blau und Gelb. Sonne und Wasser sind nötig, damit das Leben auf der Erde möglich ist. Gott hat Noah versprochen, dass „nicht aufhören wird Sonne und Regen, Frost und Hitze, Saat und Ernte.“ Grün steht für die Natur, das Wachstum und die Fruchtbarkeit.

Grün ist die Hoffnung, die uns mutig das Leben annehmen lässt.

Hellblau – wie der Himmel. Das ist der Ort, wo wir Gott vermuten. Aber er wohnt gleichzeitig in unseren Herzen. Der Himmel ist das Firmament das unsere Erde umgibt. Blau ist Luft zum Atmen und das Wasser des Lebens. Als Getaufte gehören wir zu den Jüngern/innen Jesu, die Gottes Liebe in die Welt tragen.

Blau steht für Treue und Wahrheit.

Dunkelblau - wie die Träume und der Nachthimmel. Die Zeit der Ruhe, die uns geschenkt ist. Dunkelblau ist die Farbe der Ruhe und des Friedens.

Die Dunkelheit macht auch Angst. Darum ist es so wichtig, dass wir Gottes Zusage im Herzen tragen, dass auf jede Nacht ein neuer Morgen folgt. Jesus ist auferstanden. Seitdem erleuchtet das ewige Licht Gottes unser Leben.

Christus spricht: „Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Violett - zu gleichen Teilen aus Rot und Blau gemischt, ist die Farbe der Besonnenheit, der Leidenschaft und des Gleichgewichtes zwischen Himmel und Erde. Es ist auch die Farbe der Dreieinigkeit Gottes: Rot steht für den heiligen Geist, Blau für Gott Vater im Himmel und violett für die Passion Jesu, durch die wir alle gerettet sind. Es ist eine heilige Farbe, die Farbe der Buße und der Vergebung. Und sie hat heilende Kraft. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass viele Heilkräuter violett blühen? Salbei, Thymian, Minze.

 

Sieben Farben hat der Regenbogen. Die Sieben symbolisiert Vollkommenheit und Ganzheit.

Der Regenbogen ist ein tiefes Symbol für das Urvertrauen in das Leben. Er verbindet die Menschen weltweit miteinander und er verbindet das Leben auf der Erde mit Gott.

 

In einem irischen Segen heißt es:

Sieben Engel in den Lüften tragen des Zimmermanns Arbeitskluft.

Sieben Engel bauen in Gottes Namen eine Brücke.

Eine starke Brücke, die nicht bricht,

eine starke Brücke, die nicht zusammenfällt,

eine starke Brücke, die keine Flamme verzehrt.

Wie der Regenbogen als Zeichen des Friedens die Enden der Erde verbindet, mögen auch Leib und Seele verbunden sein in Einklang und Harmonie mit Schöpfer und Schöpfung.

So mögen wir alle untereinander verbunden sein mit allen Menschen dieser Erde.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 21.04.13
Von der Vergebung
Von der Vergebung

Gottesdienst am 21.04.2013 – „Von der Vergebung“
Michaelskirche Rotenburg (Wümme) - Hans-Peter Daub
Begrüßung:
„Jede und jeder von uns ist auf Grund des Geborenseins ein ‚Initium‘, ein eigener Anfang. Darum zeichnet das den Menschen aus, dass er Initiative ergreifen, Anfänger/Anfängerin sein und neu werden kann, jemand der Neues in Bewegung setzt.“
Mit diesem Gedanken der Philosophin Hannah Arendt heiße ich Sie herzlich zu diesem Gottesdienst willkommen. Ein interessanter Anstoß: Den Menschen nicht von seinem Ende her denken, von seiner Sterblichkeit her, sondern ausgehend von seinem Anfang, von seiner ‚Gebürtlichkeit‘ her, wie Hannah Arendt sagt. Nicht: Kaufe die Zeit aus, denn sie ist kurz und kostbar. Sondern: Achte auf die Anfänge. Bleib diesem Zauber auf der Spur, den Gott in unser Leben gelegt hat!
Für mich ist das ein österlicher Gedanke. Darum möchte ich ihm an diesem dritten Sonntag in der Osterzeit in unserem Gottesdienst Raum geben: Ostern und Vergebung – das ist dieselbe Energie: den neuen Anfang möglich machen. Beides kann niemand als Gott allein: Sünden vergeben und Tote erwecken. Aber uns schenkt er daran Anteil: Österlich leben dürfen.
In der Zeitung: Abschied von Michael – Hintergrund – Neuordnung der Seelsorgebezirke – Eine Zäsur (neben dem neuen Seelsorgebezirk, keine Mitgliedschaft mehr im KV), aber keine Trennung – auch in Zukunft enge Zusammenarbeit in der Stadt, wozu auch weiterhin eine gemeinsame Gtd.-Planung gehört.
Lange Begrüßung durch mich – Nun die Gelegenheit für Sie, sich auch wechselseitig zu grüßen. Später auch noch miteinander zu reden…
Osterlied, das den Frühling zum Symbol des neuen Lebens nimmt. Endlich!
Eine Zeile jeweils vorsingen ….
Lied: Die ganze Welt, Herr Jesu Christ … (EG 110 auf die ursprüngliche Melodie)
Überleitung
Im ersten Teil jedes Gottesdienst gibt es einen Augenblick, um zu bedenken, wo wir herkommen. Die zurückliegende Woche erinnern, die Themen, die Aufgaben und Sorgen, die wir mit uns tragen. Wir fassen sie und legen sie weg, Christus zu Füßen, wie der blinde Bartimäus, der nach Jesus ruft:
Kyrie im Wechsel (Arnold)
Überleitung zum Gloria
Und auch im ersten Teil eines Gottesdienstes, sich orientieren, die eigene Bestimmung spüren, Gottes Gegenwart wahrnehmen: Wir können, dürfen und sollen Gott Antwort geben. Wir können , dürfen und sollen uns dazu aufrichten und groß machen, denn hell und groß soll unser Lob für ihn sein.
Lob für Gott, der die Sünden vergibt. Lob für Gott, der Tote und Totes wieder lebendig macht. Gott, der uns den neuen Anfang schenkt, heute und an jedem Tag. Darum dieser Lobvers: Ehre, Lob und Preis sei dir Gott!
Liedvers: Ehre. Lob und Preis sei dir Gott!
Gebet
Gott, jeden Augenblick fällt eine Tür ins Schloss, ist ein Urteil fertig, geschehen Dinge zwischen uns, die nicht mehr weggehen: große, aber meistens ganz viele kleine Verletzungen, Unachtsamkeiten, Grobheiten, der Blick auf das Eigene, das Übersehen des anderen. Wir kommen nicht hinterher, das wieder in Ordnung zu bringen. Wenn wir es denn überhaupt merken. Ja, bei uns selbst merken wir es schon. Da geht so eine Kränkung nicht schnell wieder weg. Die erinnern wir manchmal auf ewig.
Gott, der Du am Ostermorgen den Stein ins Rollen gebracht hast, brich diese toten Geschichten auf, schenke uns einen neuen Anfang, neue Anfänge, - je älter wir sind, desto mehr. Vergib uns und lass uns einander vergeben. Um der Zukunft willen. Um des Lebens willen, das Du uns jeden Tag neu schenkst. Amen.
Verzeihen und vergeben – einige Fragen, die ich mir selbst und die ich Ihnen stelle:

  • In welcher Weise ist das im Moment ein Thema: Eher dadurch, dass mir etwas getan wurde, das nachwirkt, das schmerzt und nicht wieder gut ist, das ich einem anderen, einer anderen nachtrage? Oder umgekehrt: Dass ich etwas getan habe, was ich als belastend empfinde, ein Fehler, eine Verletzung gegen einen anderen, eine Schuld?
  • Was fällt leichter: um Vergebung zu bitten oder selbst zu vergeben? Und was ist öfter nötig? Warum?
  • Wie kann ich jemandem vergeben, der mich nicht um Entschuldigung gebeten hat? Der vielleicht gar keine Einsicht zeigt oder nichts ahnt von meinem Verletztsein? Geht das? Und wenn ja, wie?
  • Habe ich schon einmal etwas erlebt, was ich oder auch andere für unverzeihlich halten? Gibt es etwas, das grundsätzlich nicht verziehen werden kann?
  • Habe ich selbst etwas getan, das unwiderruflich ist, zum Schaden eines oder mehrerer anderer Menschen? Wie kann ich damit leben? Wer weiß davon?
  • Was geschieht mit den Dingen, die nicht vergeben werden? Und was geschieht mit den Dingen, die vergeben wurden?
  • Was wird aus einem Menschen, dem nicht vergeben wird? Und wie lebt jemand, der nicht vergeben kann?

Orgelmusik
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!
Liebe Gemeinde!
Über den Predigttext vom letzten Sonntag aus dem Johannesevangelium habe ich drei Predigten gehört, gute, hilfreiche Predigten. Und doch oder gerade deswegen ist da etwas, was mir die Woche über nachgeht und was mich dazu bringt, einen Aspekt dieses Textes heute noch einmal zum Thema zu machen. Wie Vergebung geht. Oder noch genauer: Wie nach einer tiefen Schuld wieder etwas weitergeht, sogar neues Vertrauen entsteht, obwohl es doch nicht mehr wieder so sein wird wie früher. Und wie das beides zusammengehört: Ostern – und dass eine Lebensgeschichte trotz der Schuld, die wir auf uns laden, weiter gelebt wird, sinnvoll, bedeutsam, sogar schön.
Ich weiß nicht, ob Sie letzten Sonntag einen Gottesdienst erlebten, in dem Sie diesen Text auch gehört haben. Ein Abschnitt daraus gibt es jetzt dann für Sie auch noch einmal. Bevor er gelesen wird, will ich kurz den Zusammenhang erläutern, wie ihn der Evangelist Johannes sehr überlegt und voller Sinn komponiert und erzählt.
Es geht um Simon Petrus. Wie die anderen Evangelien erzählt Johannes von Simons Treuebekenntnis in den Tagen vor der Verfolgung in Jerusalem. Bedeutsam ist der Wortlaut: „Warum, Jesus, sollte ich nicht mit Dir gehen können. Ich will mein Leben für dich lassen.“ „Du willst das Leben für mich lassen? Wahrlich, der Hahn wird nicht krähen, bis Du mich 3 Mal verleugnet hast.“
So geschieht es. Bei Johannes ist die Leugnung des Petrus noch unverständlicher als bei den anderen. Denn Petrus ist nicht allein im Hof des Hohenpriesters. Ein anderer Jünger ist mit ihm zusammen, den der Hohepriester kennt und der von den Tempelwachen schon als Jesusjünger identifiziert wurde.
Aber die Tempelwachen tun ihnen nichts. Warum hat Petrus solche Angst? Er folgt Jesus, wie er es versprochen hat, und leugnet dann doch.
Wieder anders als die anderen Evangelisten schreibt Johannes nichts davon, dass Petrus im selben Moment bereut. (Bach musste für seine Johannespassion um der Dramatik willen den Satz aus dem Matthäusevangelium entleihen: dass Petrus der Worte Jesu gedachte, hinausging und bitterlich weinte. Im Johannesevangelium selbst erfahren wir nichts von Simons Reaktion. Da bleibt das so stehen.
Aber jetzt findet die Leugnung eine Fortsetzung im Rahmen der johanneischen Ostererzählungen: Nachdem der auferstandene Jesus schon erschienen ist Maria von Magdala, dann dem Jüngerkreis insgesamt im verschlossenen Raum, dann dem Thomas mit den Elf. Und dann folgt noch ein Anhang, den nur Johanes erzählt: Sie sind zurück in Galiäa. Am See Tiberias nehmen sie ihr altes Leben wieder auf, und es ist doch niemals mehr das alte. Nach dem österlichen Fischzug – wunderbare Wiederholung einer Erfahrung mit dem lebenden Jesus – und wird doch zugleich deutlich, dass es eine Wiederholung nicht ist, sondern österliches Leben, Leben unter der Voraussetzung, dass der Tod das Leben nicht bestimmt, vertrauendes Leben, das das Evangelium wiederliest als die eigene Geschichte. Und genau dort findet sich eine Therapie für Simon, eine Antwort auf seine Schuld, eine Lektion ‚von der Vergebung‘:
Lesung: Johannes 21, 15 bis 17
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als irgendein anderer hier?« Petrus gab ihm zur Antwort: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.« Darauf sagte Jesus zu ihm: »Sorge für meine Lämmer!«
Jesus fragte ihn ein zweites Mal: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?« Petrus antwortete: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.« Da sagte Jesus zu ihm: »Hüte meine Schafe!«
Jesus fragte ihn ein drittes Mal: »Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?« Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal fragte: »Hast du mich lieb?« »Herr, du weißt alles«, erwiderte er. »Du weißt, dass ich dich lieb habe.« Darauf sagte Jesus zu ihm: »Sorge für meine Schafe!
Ob Petrus erschrocken ist, dass Jesus ihn direkt anspricht? Gerade schien alles gut - trotz der furchtbaren Geschichte, die hinter ihnen liegt, die sie getrennt hat, jeden von jedem. Aber der Fisch und das Brot, das Zusammensein am Ufer – es ist ein Wunder, dass das wieder möglich ist. Vielleicht lieber nicht daran rühren. Vergeben, vergessen?
„Simon, Sohn des Johannes“, - das ganze Evangelium über wurde Petrus so nicht angesprochen, nur ganz am Anfang, bei seiner Berufung in den Kreis der Jünger. „Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, Petrus, der Fels.“ Nichts ist vergessen. Ganz an den Anfang müssen sie beide zurück.
Von der Schuld spricht Jesus nicht, aber fraglos ist nichts mehr. „Liebst du mich, mehr als die anderen?“ Es ist schade, dass unsere Sprache die wichtige Nuance nicht wiedergeben kann, die in den ursprünglichen Worten auf Griechisch liegt: Agapas me? Agape - das ist Liebe, die sich selbst hingibt, die das eigene Leben einsetzt, die den anderen liebt wie sich selbst.
Auch wenn Jesus nicht ausdrücklich davon spricht, ist doch im selben Augenblick gegenwärtig, was Petrus versprach und woran er so kläglich scheiterte: „Ich will mein Leben für dich geben.“
Philo te. Petrus hat viel über sich gelernt. Ich habe dich lieb, wie Freunde sich lieben: Philia – das ist Freundschaft, Gegenseitigkeit auf der Basis von Selbstbestimmung. Petrus ist älter geworden und realistischer.
Aber Jesus lässt diese Dimension nicht los, noch nicht. „Weide meine Lämmer!“ Christus, das Lamm Gottes, das das Scheitern des Simon kennt, mutet ihm zu, für andere da zu sein, für andere Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden. Petrus kannst Du das? Kannst Du es jetzt? Agapas me?
Petrus bleibt Realist, jemand, der sich selbst im Scheitern kennen gelernt hat. „Philo te“. Ich bin dir Freund. Das weißt du doch. Spricht Jesus: Weide meine Schafe! Erwachsene Tiere, die meine Stimme kennen. Relativiert ist dein Auftrag, heruntergebrochen auf das, was dir zumutbar ist. Ihr könnt einander dienen, wie Schäfer den Schafen.
Fragt Jesus das dritte Mal, den der drei Mal verleugnete: Aber dieses Mal nimmt er selbst den Anspruch zurück: Hast du mich lieb? Phileis me? Bist du mir Freund? Da wurde Petrus traurig, dass Jesus ihn das dritte Mal fragte: Traurig, weil es das dritte Mal war? Oder vielmehr, weil Jesus das dritte Mal in dieser Weise zurückgenommen fragte, weil die Qualität der ersten Frage aufgegeben und weg ist? Agape – dass wir füreinander das Leben lassen. Der mutige, überschwängliche Vorsatz des Petrus selbst – jetzt wird er nicht mehr erwartet? Philia – Freundschaft ist auch viel. Ist auch Treue. Ist die Verpflichtung zum Ausgleich. Ist, dass man einander nicht aus den Augen lässt, ist Heilmittel gegen den Tod der Einsamkeit. Weide meine Schafe – nun vielleicht doch ohne den Anspruch des guten Hirten, der sein Leben lässt für das Verlorene, für die Lämmer. Realistisch – wir dürfen uns nicht überfordern, dürfen den falschen Eindruck nicht erwecken, als käme die Kraft zur Selbsthingabe aus uns selbst.
Jesus fügt dann doch noch an: „Wahrlich ich sage dir: Als du noch jung warst, hast du dir den Gürtel selbst umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Doch wenn du einmal alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dir den Gürtel umbinden und dich dahin führen, wo du nicht hingehen willst.« Jesus deutete damit an, auf welche Weise Petrus sterben würde und dass durch seinen Tod die Herrlichkeit Gottes offenbart würde.“
Vier Folgerungen am Schluss:
(1) Jesus spricht Petrus auf seine Schuld und sein Versagen nicht an. Nach meiner Wahrnehmung tut Jesus das im ganzen Evangelium nicht, gegenüber niemandem. Vielleicht wird das unter uns ganz falsch eingeschätzt, wie wichtig es ist, einen anderen Menschen auf seine Fehler anzusprechen, wie wichtig es ist, dass ein Mensch selbst in die Knie geht und bereut.
(2) Es ist nicht wichtig, weil es nichts über die Zukunft sagt. Aber um die Zukunft geht es. Was können wir Petrus zutrauen? Jetzt noch? Was können wir einander zutrauen? Jetzt noch? Nachdem wir auch Erfahrungen des Scheiterns und der Enttäuschung übereinander gemacht haben?
(3) Dass wir einander vergeben ist Bedingung für neues Leben. Es ist die Alltagsgestalt des Osterglaubens. „Der ist für mich gestorben“ – ist das Gegenteil des Vertrauens, zu dem der Auferstandene einlädt. Weil er uns nachgeht bis in den Tod, macht es Sinn, dass wir einander nachgehen und vergeben.
(4) Im Blick auf die Zukunft traut Jesus uns regelmäßig mehr zu, als wir es für möglich und für realistisch halten: Jesus will, dass Petrus, der sich als Feigling erwies, wieder Verantwortung übernimmt. Christus traut auch uns, die wir Grenzen haben, zu, dass wir für die Zukunft, die er will, wichtig sind. Amen.
EG 358, 1.2.4.6 Es kennt der Herr die Seinen
Lesung: 10 Thesen zur Vergebung der Kommission Justitia et Pax in Luxemburg (vgl. http://w3.restena.lu/justpaix/pdf/JusPaxT2000.pdf)

  1.  Vergebung kann ein langer Prozess sein.
  2.  Vergebung ist nicht von einem Geständnis abhängig.
  3.  Vergebung erfordert keine übereinstimmende Auffassung von der Vergangenheit.
  4.  Vergebung bedeutet, von meinem natürlichen Recht auf Rache loszulassen, beziehungsweise: Vergebung ist die beste Rache ...
  5.  Vergebung bedeutet nicht, vergessen.
  6.  Vergebung bedeutet, das Unrecht nicht immer wieder zur Sprache zu bringen.
  7.  Vergebung bedeutet nicht, das Verhalten einer anderen Person zu entschuldigen.
  8.  Vergebung bedarf vorab einer Entscheidung.
  9.  Vergebung bedeutet nicht unbedingt, erneut zu vertrauen.
  10.  Vergebung ist Voraussetzung für Neuanfang.

Einladung zum Gespräch (5 Minuten):

  • Was leuchtet mir unmittelbar ein?
  • Welche These erregt meinen Widerspruch?
  • Was nehme ich mit selbst neu vor?

Lied: Wie ein Fest nach langer Trauer (mit Klavier)
Fürbittengebet mit Kyrievers:
Kyrie eleison (Taizé)
Gott, in unserer Welt geschehen furchtbare Dinge. Bestürzt über die Gewalt dieser Zeit klagen wir dir: Was geht in Menschen vor, die für ein Sportfest Bomben bauen? Auf welche Zukunft hoffen Befehlshaber und Piloten, die die Städte ihrer eigenen Heimat zerstören? Was bewegt unsere Regierung in dem so grausam absurden Wettbewerb der Waffenexporteure dieser Welt mit immer gefährlicheren Lieferungen den dritten Platz zu erringen? Gewalt erscheint als der Königsweg in den Konflikten unserer Zeit. Aber du, unser König, unsere Hoffnung, hast einen anderen Weg gewiesen. Darum rufen wir zu dir:
Kyrie eleison (Taizé)
Einander vergeben, Schuld vergeben heißt auch: Schulden vergeben. Was uns anvertraut ist so zu teilen, dass viele leben können. Geld nicht zu horten, sondern im Fluss zu halten, freimütig leihen und verschenken. Dem Mammon nicht zu opfern – auch wenn noch so viele Experten seine Liturgie singen. Aber die Geldtürme ragen in den Himmel und unvorstellbare Schulden bringen immer mehr Menschen und Völker in bittere Not. Darum klagen wir dir himmelschreiende Ungerechtigkeit:
Kyrie eleison (Taizé)
Gegen die Nachrichten jeden Tag erscheint unsere Not klein. Aber es ist unser Leben, unser einziges, kleines Leben. Wie leicht wir es einander vergällen. Wie schwer es ist, unvoreingenommen aufeinander zuzugehen. Wie lang wir Böses einander nachtragen und wie leicht wir das Gute übersehen, das uns entgegenkommt. Lehre uns die Kunst der Vergebung. Schenke uns den Blick für das, was noch kommt. Gib uns Vertrauen in das, was du möglich machen wirst. Darum rufen wir zu dir:
Kyrie eleison (Taizé)
Wir denken an die, die krank liegen und sterben müssen: Leben bis zuletzt; sich und die Menschen wahrnehmen können, die zueinander gehören; sich verzeihen, was schwer war; sich sagen können, was wir einander verdanken; Tränen haben für das, was zu Ende geht, und doch unerschütterlich zu der Hoffnung stehen, die Du uns schenkst: Das bitten wir für die, die gehen müssen. Und das bitten wir auch für uns, die, so Du willst, noch eine Zeit bleiben. Aber lass uns vorbereitet sein, und keine alten Sachen unsere Seele quälen. Zu Dir rufen wir:
Kyrie eleison (Taizé)
Vater unser ….
Lied: Christ ist erstanden
Segen

So. 14.04.13
Konfirmationspredigt: Du bist einmalig,…
Haike Gleede
Konfirmationspredigt: Du bist einmalig, wertvoll und geliebt

Konfirmationspredigt am 14.4. und 21.4. 2013

„Du bist einmalig, wertvoll und geliebt“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Lesung: Jesaja 43, 1+4f.

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! …
weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe. So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Liebe Gemeinde!

Was für eine Zusage! Sie streichelt die Seele. Und sie gilt euch! Ihr feiert heute eure Konfirmation, das bedeutet: Ihr macht euer Leben fest an Gott.

 Gott sagt: „Du bist einmalig, wertvoll und geliebt“.

Jeder Mensch sehnt sich danach, so geliebt zu werden wie er ist. Jeder möchte er selbst sein ohne Einschränkungen. Ich möchte ich sein – einmalig und besonders.

Das ist in unserer Gesellschaft ein hohes Gut.

Wer bin ich und wie erkennen andere meine Besonderheit?

Manche versuchen das durch ihr Äußeres zu zeigen. Teure Marken sind angesagt. Die Mode gibt den Ton an. Plötzlich ist es nicht mehr wichtig, wer ich eigentlich bin.

Alle schauen nur noch darauf, was ich habe.

Viele versuchen ihren Wert über die Dinge zu zeigen, die sie besitzen.

Aber ihr merkt schon – da stimmt etwas nicht. Das Besondere, was einen Menschen ausmacht, zeigt sich nicht in dem, was er hat, sondern in dem was er ist.

Ihr lebt nicht allein, sondern habt Menschen um euch herum. Eure Familien, Freunde, Lehrer, Klassenkameraden – mit manchen kommt ihr gut aus, mit manchen auch nicht. Immer steht ihr in Beziehung zu anderen Menschen, die ihr braucht und die euch brauchen. Und ihr steht in Beziehung zu Gott – das bestätigt ihr heute!

Gott hat die Menschen nach seinem Bilde geschaffen. Er wirbt um euch und wünscht sich, dass ihr ihr selbst seid.

Manchmal habt ihr Angst, euch so zu geben, wie ihr seid. Ihr passt euch lieber an und versucht, euer wahres Sein zu verbergen. Denn es macht auch verletzlich, das eigene Ich zu zeigen. Da wird es immer jemanden geben, dem das nicht gefällt und der euch kritisiert oder sogar verspottet und auslacht.

Gott sagt:  Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;

Gott befreit von allen äußeren Zwängen. Er erlöst euch aus dem Wahnsinn zu glauben, ihr müsstet so sein, wie andere es von euch erwarten. Er befreit von der quälenden Frage, was wohl die anderen von mir denken?! Denn er sagt:

ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Gott kennt dich. Er kennt deinen Namen.  Er kannte dich schon, bevor du geboren wurdest. Bei der Taufe hat er dich bei deinem Namen gerufen: „Du bist mein. Du gehörst zu mir.“ weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe.

Gott liebt dich. Für ihn bist du wertvoll, einzigartig und einfach wundervoll. In Gottes Augen spiegelt sich deine Seele und bringt sie zum Leuchten. Er sieht dich an und er sieht in dir den Menschen, den er sich gedacht hat, als er dich schuf.

So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.

Ihr seid Gott etwas wert. Er sieht euch als seine Kinder an und weiß, dass jede und jeder von euch etwas ganz Einmaliges ist. Jedem hat er etwas mitgegeben, ein Talent, eine Fähigkeit.

Die Fähigkeiten entfalten sich in der Beziehung zu anderen Menschen. In der Gemeinschaft wird das deutlich. Der Apostel Paulus hat das in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth eindrücklich beschrieben: „ Es gibt verschiedene Gaben, doch ein und derselbe Geist teilt sie zu… An jedem und jeder in der Gemeinde zeigt der Heilige Geist seine Wirkung in der Weise und mit dem Ziel, dass alle etwas davon haben.“  Z.B. in schwierigen Lagen den Überblick behalten oder auch die Kraft zu heilen. Manche können gut in Worte fassen, was der Glaube bedeutet, anderen fällt es leicht Fremdsprachen zu lernen.

Ihr kennt das sicher auch: da gibt einige, die sind in Deutsch gut, andere in Mathe und ein anderer ist in Sport topfit. Einige sind musikalisch, der nächste ist handwerklich begabt und wieder einer kann einfach gut zuhören.

So hat Gott sich das gedacht. Wichtig ist, dass wir die Stärken erkennen und nicht ständig auf die Schwächen eines Menschen schauen.

Evtl als Dialog mit den Konfis:

Es macht stark, wenn ihr zu jemandem sagt: „Das kannst du gut! Super!“

Und der andere antwortet: „Und du kannst dafür das und das gut. Das finde ich toll. Wir ergänzen uns und sind ein starkes Team.“

Wenn ihr den Finger in die Wunde legt und sagt: „Du bist ja blöd. Du kannst das nicht.“ Dann sagt der andere: „Du bist selber blöd.“ Und keiner hat einen Gewinn davon.

Ich habe euch in der Konfirmandenzeit ein wenig kennengelernt und sehe hier 10/12 begabte  junge Menschen vor mir, in denen manches angelegt sind. Jede/r von euch ist eine eigene liebenswerte Persönlichkeit mit ihren Fähigkeiten und Gaben.

Ich möchte euch das verdeutlichen mit einem Symbol. Ich habe hier eine Schatzkiste voller Edelsteine mitgebracht. (Jede/r nimmt einen).

Diese Edelsteine sind alle verschieden in Farbe, Form und Größe. Und sie besitzen alle unterschiedliche Eigenschaften, die sich erst entfalten, wenn man sich mit ihnen beschäftigt. Ihnen Aufmerksamkeit schenkt. So ist das mit euch auch. Ihr seid alle wie ein Edelstein, einzigartig, wertvoll und mit geheimnisvollen Eigenschaften.

Vielleicht gleich ihr einem Achat. Er birgt große Kraft und ist ein Beschützer. Er ist ein Menschenkenner und kann sein Gegenüber gut einschätzen. Manchmal entdeckt er sogar Talente. Der Achat gehört zu den ältesten Edelsteinen der Welt. Auch in der Bibel wird er erwähnt. Achate sind sehr beliebt vor allem als Heil- und Schmucksteine.

Oder gehört ihr wie der Amethyst zu denen, die Klarheit bringen, wo Verwirrung herrscht. Der Amethyst ist ein Stein des Geistes; er vermittelt Ruhe und Frieden.

 Er steht für die Reinheit der Seele und steht in enger Beziehung zu Gott. In der Mitte unseres Altarkreuzes ist auch ein Amethyst eingearbeitet. Er ist der Stein des Glaubens und der Weisheit.

Möglicherweise gehört ihr eher zu den Zarten wie der Rosenquarz.  Er ist nicht zu unterschätzen, denn er besitzt Heilkräfte und fördert das Verständnis für die hohen Künste. Er ist bekannt als Stein der „zarten Liebe“ und bringt Frieden und Ruhe in Beziehungen.

Das Tigerauge dagegen hat Feuer in sich. Er lässt sich nicht so leicht beeinflussen von dem, was andere sagen. Er ist selbstbewusst, versteht es, Schmerzen zu lindern  und wirkt ausgleichend. Außerdem wirkt er gegen Stress, baut Ängste ab und schärft den Verstand.

Manch einer wirkt wie der Jaspis. Er verbreitet Zufriedenheit, ist sensibel und bringt Entspannung. Er kann gute Laune verbreiten und sich gut in andere hineinversetzen. Er hat auch etwas mit unserer Kirche zu tun, denn es ist der Stein des Johannes. In der Bibel wird er als der alleredelste Stein bezeichnet.

Oder zieht ihr wie der Carneol die Aufmerksamkeit auf euch? Er gilt als Lebensstein und gibt Menschen Mut, schwierige Situationen zu meistern. Er steht auch für Hilfsbereitschaft und besitzt Heilkräfte.

Der reinste von allen ist der Bergkristall. Er wird auch als Christusstein bezeichnet. Über der Hand der Johannes-Skulptur schwebt ein besonders großer Bergkristall. Eigentlich wirkt er ganz unscheinbar, weil er farblos und durchsichtig ist. Fällt aber Licht darauf, so erstrahlt er in allen Regenbogenfarben.  Christus ist das Licht der Welt. Wenn sein Licht auf euer Leben fällt, dann leuchtet es in allen Farben. Eure verborgenen Talente kommen zum Vorschein. Der Bergkristall steht für die Reinheit der Seele, die von Christus durchleuchtet wird und euch vollkommen macht.

Eine sehr kluge Frau, Hildegard von Bingen, schreibt über die Edelsteine:

„Wenn man bedenkt, dass die schönsten und kostbarsten Edelsteine aus ganz einfachen Grundelementen wie Kohlenstoff, Kalk, Magnesium entstanden sind, ist dies schon ein Wunder für sich.“ Und sie war überzeugt, dass in die Edelstein durch göttlichen Willen entstanden sind und dass sie nur Gutes bewirken.

Ich glaube, das trifft auf euch auch zu. Ihr seid Gottes Geschöpfe, aus den Bestandteilen der Erde geschaffen. Gott hat Gutes in euch angelegt. Es ist an euch, und auch an Ihnen, liebe Gemeinde, den Eltern, Paten, Großeltern: das Gute in diesen Konfirmandinnen und Konfirmanden zu fördern. Euer Glaubensbekenntnis heute gehört für mich schon dazu.

Ich wünsche euch, dass ihr euch durchleuchten lasst von Gottes Liebe und zu den Menschen werdet, als die Gott euch geschaffen hat. Er sagt zu euch:

Jesaja 43, 1+4f.

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe. So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320